Individualisierte Diabetes Therapie

mp Altdorf - Alle Menschen sind gleich. Alle Menschen sind verschieden. Auch in ihrer Krankheit. JOTZO JÜRGEN / pixelio.de

Individualisierte Diabetes Therapie

Bislang galten für die Behandlung des Typ-2-Diabetes ein recht starres Zahlenkorsett und eine Vielzahl einengender Algorhythmen als Leitlinien zur Festlegung und Einhaltung des Langzeit-Blutzucker-Wertes.

Bislang galten für die Behandlung des Typ-2-Diabetes ein recht starres Zahlenkorsett und eine Vielzahl einengender Algorhythmen als Leitlinien zur Festlegung und Einhaltung des Langzeit-Blutzucker-Wertes. Doch diese sehr konkreten Einschränkungen und Anweisungen scheinen nicht mehr dem neuesten medizinischen Wissensstand zu genügen.
So sprechen sich sowohl die amerikanische (ADA) wie auch die europäische Diabetesgesellschaft (EASD) zur Behandlung des Typ-2-Diabetes in ihrer neuen Leitlinie* für eine individualisierte Therapie aus.

Ein älterer Patient mit Herz-Kreislauf-Problemen wird danach weniger streng ,,eingestellt" werden, als ein junger Diabetes-Patient. Damit kann der behandelnde Arzt mehr als bisher den Lebensumständen und Wünschen des Patienten bei der Behandlung entsprechen. Ziel ist es, den statistischen Durchschnitt im Auge zu behalten, die Therapie aber im Rahmen der Möglichkeiten so anzupassen, dass die Lebensqualität des Patienten optimiert wird. Denn dem statistischen Mittel entsprechen in der Realität nur einige wenige Kranke.

Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) spricht in diesem Zusammenhang von Ähnlichkeiten zu den zwei vorherrschenden Strömungen der Medizin im antiken Griechenland: Einer Individualisierten Schule des Mediziners Hippokrates und der an allgemeinen Gesetzmäßigkeiten ausgerichteten medizinischen Schule von Knidos. Schatz: ,,Hier kann man durchaus Parallelen ziehen zu den heutigen Konzepten einer - wie leider oft - nur verkürzt verstandenen evidenzbasierten Medizin und einer individualisierten, personalisierten Medizin".

An einer Umstellung der Lebensgewohnheiten wird aber nach wie vor kein Patient mit Typ-2-Diabetes Diagnose vorbeikommen. Die aktive Veränderung von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten gehört neben eingehender Schulung der Erkrankten immer noch zur Maßnahme der ersten Wahl. Nur wenn sich diese Therapie als nicht (mehr) wirksam genug erweist, sollte auf Tabletten zurückgegriffen werden. Auch die Gabe eines Zweitmedikaments bei fortgeschrittener Erkrankung sollte so gut wie möglich auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten abgestimmt sein, statt nur starren Anwendungsregeln zu folgen.

*1. ADA/EASD Issue New Hyperglycemia Management Guidelines:
Diabetes Care, Published online April 19, 2012
Diabetologia, Published online April 19, 2012-04-22

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