Ex-Dschihadist wegen Zerstörung in Timbuktu zu Entschädigungszahlung verurteilt

Wiederaufgebaute Moschee in Timbuktu Bild: AFP

Ex-Dschihadist wegen Zerstörung in Timbuktu zu Entschädigungszahlung verurteilt

Fünf Jahre nach der Zerstörung jahrhundertealter Kulturgüter in Timbuktu hat der Haager Strafgerichtshof den Opfern eine Entschädigung in Höhe von 2,7 Millionen Euro zuerkannt. Für das Geld soll der verurteilte Ex-Dschihadist Al Mahdi aufkommen.

Fünf Jahre nach der Zerstörung jahrhundertealter Kulturgüter im malischen Timbuktu hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) den Opfern eine Entschädigung in Höhe von 2,7 Millionen Euro zuerkannt. Die Richter in Den Haag ordneten am Donnerstag in einer wegweisenden Entscheidung "individuelle, kollektive und symbolische" Reparationszahlungen an die Einwohner der Wüstenstadt an. 

Für das Geld müsse der Ex-Dschihadist Ahmad Al Faqi Al Mahdi aufkommen, der 2016 wegen der Zerstörung der Weltkulturerbestätten in der Wüstenstadt zu neun Jahren Haft verurteilt worden war. Da der Malier die Summe nicht aufbringen kann, sollen die Zahlungen dem Urteil zufolge über einen dafür vorgesehenen Treuhandfonds geregelt werden. Der malische Staat und die internationale Gemeinschaft sollen mit einem symbolischen Euro entschädigt werden. 

Al Mahdi hatte als Mitglied der Islamistengruppe Ansar Dine, die 2012 etwa zehn Monate lang den Norden Malis kontrollierte, die sogenannte Sittenpolizei in Timbuktu angeführt. In dieser Funktion ordnete er die Zerstörung von neun Mausoleen sowie eines Teils der Sidi-Yahia-Moschee an, da die Verehrung Heiliger nach strenger islamischer Auslegung verboten ist. Mit dem Urteil gegen Al Mahdi im vergangenen September ahndete der IStGh die Zerstörung von Kulturstätten erstmals als Kriegsverbrechen.

Wegen der vielen Mausoleen gilt Timbuktu als "Stadt der 333 Heiligen". Die Handelsstadt war über Jahrhunderte ein Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit. Die zerstörten Mausoleen, die zumeist aus Holz und Lehmziegeln errichtet waren, wurden mit internationaler Unterstützung wieder aufgebaut.

Die Zuerkennung der Entschädigungen könnte Opfern ähnlicher Verbrechen, etwa im syrischen Palmyra, Hoffnung geben. In der Geschichte des 2002 eingerichteten Gerichts gab es erst einmal ein vergleichbares Urteil zu Reparationen: Im März sprach der Gerichtshof den 297 Opfern eines Massakers in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2003 die "symbolische" Summe von je 250 Dollar zu. Für das Massaker wird die Miliz des kongolesischen Kriegsverbrechers Germain Katanga verantwortlich gemacht.

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