Sorge um Mitarbeiter der insolventen Air Berlin wächst

Die Logos von Lufthansa und Air Berlin Bild: AFP

Sorge um Mitarbeiter der insolventen Air Berlin wächst

Nach der Insolvenz von Air Berlin wächst die Sorge um die 8600 Jobs bei der Fluggesellschaft. Die Gewerkschaften Verdi und IGL mahnten mehr Verantwortung für die Beschäftigten an und forderten rasche Verhandlungen.

Bei den Verhandlungen über die Zukunft der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin steht auch das Schicksal der 8600 Beschäftigten im Fokus: Der Generalbevollmächtigte der Airline zeigte sich  zuversichtlich, dass die meisten Jobs gerettet werden könnten, Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach von "Top Leuten", die geholt werden müssten. Trotzdem mahnten die Gewerkschaften Verdi und IGL mehr Verantwortung für die Beschäftigten an und forderten rasche Verhandlungen.

"Endgültig sicher ist man erst, wenn die Verträge unterzeichnet sind", sagte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus dem "Handelsblatt" vom Freitag zur Zukunft der Arbeitsplätze. "Aber wir befinden uns in sehr guten Gesprächen mit potentiellen Käufern." Nötig sei eine schnelle und gute Lösung und das hätten die Verhandlungspartner auch verstanden, sagte Kebekus.

Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Große Teile der Airline könnten an die Lufthansa gehen, sofern die Kartellwächter zustimmen. Medienberichten zufolge haben auch die Thomas-Cook-Tochter Condor sowie der britische Billigflieger Easyjet Interesse an Teilen der Air Berlin.

Lufthansa-Chef Spohr sprach von "Top Leuten" bei Air Berlin, "bei denen wir uns freuen können, wenn wir möglichst viele zu uns holen". Daher werde die Lufthansa nun mit den Gewerkschaften über eine gute Lösung beraten, sagte er dem Konzern zufolge am Donnerstag bei einer Mitarbeiterveranstaltung. Zugleich stellte Spohr klar, dass die Mitarbeiter nicht zu Air-Berlin-Konditionen sondern zu Konditionen der Tochter Eurowings eingestellt werden könnten. Der Konzern setze dabei aber auf Fairness.

Die Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) erklärte, dies sei ein gutes Zeichen, an dem die Lufthansa nun gemessen werde. Die IGL stehe "ab sofort für Verhandlungen zur Verfügung mit dem Ziel, schnelle und faire Lösungen" zu erreichen. Alle Verantwortlichen müssten sich "zügig an den Verhandlungstisch" begeben, da die Mitarbeiter von Air Berlin hochgradig verunsichert seien.

Die Gewerkschaft Verdi äußerte vor dem Hintergrund der Übernahmegespräche Bedenken, dass es den Kaufinteressenten "in erster Linie ums ganz große Geschäft, nicht aber um die Verantwortung für die Beschäftigten" gehe. Deren Interessen dürften aber keine untergeordnete Rolle spielen. Verdi forderte daher von Air Berlin Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag für die betroffenen Mitarbeiter, zu denen auch die Kaufinteressenten hinzugezogen werden sollten.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) warnte die Lufthansa vor zu hohen Erwartungen im Übernahmepoker. Alle Beteiligten müssten "zügig, gewissenhaft und kompromissbereit" verhandeln, sagte sie der "Rheinischen Post". Ziel sei eine Lösung, die den Air-Berlin-Mitarbeitern eine Perspektive biete und den Wettbewerb sichere.

Der irische Billigflieger Ryanair hatte gegen die Übernahmepläne der Lufthansa Beschwerde bei den Kartellbehörden eingelegt und Bund, Air Berlin und Lufthansa ein "Komplott" vorgeworfen. Die Bundesregierung unterstützt Air Berlin mit einem Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro. 

Kebekus bezeichnete die Kritik im "Handelsblatt" als "hanebüchen" und "totalen Quatsch". Ryanair-Chef Michael O'Leary sei "herzlich eingeladen, uns bei der Rettung von Arbeitsplätzen zu helfen".

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