Syrische Regierungstruppen erobern Deir Essor von IS-Miliz zurück

Deir Essor Ende Oktober Bild: AFP

Syrische Regierungstruppen erobern Deir Essor von IS-Miliz zurück

Mit der Einnahme von Deir Essor durch syrische Regierungstruppen hat die Dschihadistenmiliz IS die letzte Großstadt unter ihrer Kontrolle verloren. Im UN-Sicherheitsrat droht derweil ein Streit um das Mandat der Chemiewaffeninspekteure in Syrien.

Mit der Einnahme von Deir Essor durch die syrischen Regierungstruppen hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die letzte Großstadt unter ihrer Kontrolle verloren. Unterstützt von iranischen und russischen Streitkräften hätten die Truppen von Präsident Baschar al-Assad die "komplette Kontrolle" über die ostsyrische Stadt übernommen, berichteten Staatsmedien am Freitag. Im UN-Sicherheitsrat droht derweil ein Streit um das Mandat der Chemiewaffeninspekteure in Syrien.

Die IS-Miliz hatte die Stadt Deir Essor und die umliegende Provinz 2014 fast vollständig in ihre Gewalt gebracht. Nur wenige Viertel und der Flughafen der Stadt am Euphrat blieben unter Kontrolle der Regierungstruppen. Im September vertrieben diese aber die sunnitische Extremistengruppe aus mehreren Vierteln und drängten sie auch im Umland der Stadt zurück.

Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete von schweren Schäden in der Stadt. Ganze Gebäude seien eingestürzt und viele Fassaden zerstört. Sprengstoffexperten waren damit beschäftigt, die zahlreichen Minen in der Stadt zu entschärfen. Mit dem Fall von Deir Essor haben die Dschihadisten sämtliche Großstädte verloren, die sie 2014 erobert hatten.

Im Juli war ihre irakische Hochburg Mossul nach monatelangen Kämpfen an die Regierungstruppen gefallen, und im Oktober verloren sie auch ihre informelle syrische Hauptstadt Raka an das kurdisch-arabische SDF-Bündnis. Inzwischen kontrollieren sie nur noch die Stadt Abu Kamal an der Grenze zum Irak und einige Ortschaften auf der anderen Seite der Grenze.

Die irakische Armee nahm derweil nach eigenen Angaben die Ortschaft Al-Kaim ein. Am Freitagmorgen seien die IS-Stellungen in der Stadt von Artillerie und Kampfflugzeugen bombardiert worden, bevor die Anti-Terror-Kräfte der Armee nach Al-Kaim eingedrungen seien, sagte General Noman al-Sobai.

Zahlreiche Dschihadisten würden mit ihren Familien nach Abu Kamal fliehen, erklärten die Hasched-al-Schaabi-Milizen, die an der Offensive beteiligt sind. Laut der internationalen Anti-IS-Koalition befinden sich noch rund 1500 IS-Kämpfer in der Wüstenregion um Abu Kamal, wo die letzte große Schlacht mit der Extremistengruppe erwartet wird. Die syrische Armee steht 40 Kilometer vor der Stadt.

Unterdessen kündigte sich ein Streit im UN-Sicherheitsrat zwischen Russland und den USA über die Chemiewaffeninspekteure in Syrien an. Moskau und Washington brachten jeweils einen Resolutionsentwurf zu der anstehenden Verlängerung des Mandats der Expertenmission der UNO und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) ein.

Der russische Entwurf verlangt, dass der Bericht eines Ermittlerteams zum Chemiewaffenangriff auf die Ortschaft Chan Scheichun im April "eingefroren" wird, bis eine neue "umfassende und hochqualitative Ermittlung" vor Ort stattgefunden habe. Die UN-Experten hatten die syrischen Regierungstruppen für den tödlichen Angriff verantwortlich gemacht.

Bei dem Giftgasangriff auf die von Rebellen gehaltene Ortschaft Chan Scheichun waren am 4. April mehr als 80 Menschen getötet worden. Der Angriff hatte weltweit für Empörung gesorgt, und US-Präsident Donald Trump hatte in Reaktion darauf einen Vergeltungsangriff auf einen syrischen Militärflughafen angeordnet, von dem der Giftgasangriff geflogen worden sein soll.

Das Gutachten zu Chan Scheichun sei "sehr oberflächlich, unprofessionell und amateurhaft", kritisierte das russische Außenministerium. In seinem Resolutionsentwurf forderte Russland, "so schnell wie möglich" ein Team nach Chan Scheichun zu schicken. Das Mandat der Chemiewaffeninspekteure in Syrien will Moskau zunächst nur um sechs Monate verlängern.

Es ist unwahrscheinlich, dass der Entwurf die Zustimmung der USA, Frankreichs und Großbritanniens erhält. Die USA brachten am Donnerstag einen eigenen Resolutionsentwurf im Sicherheitsrat ein, der eine Verlängerung des Mandats der Inspekteure des Gemeinsamen Untersuchungsmechanismus (JIM) um zwei Jahre vorsieht. Das Mandat läuft am 16. November aus.

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