Tausende Menschen demonstrieren vor Weltklimagipfel für Kohleausstieg

Demonstranten dringen in Tagebau Hambach ein Bild: AFP

Tausende Menschen demonstrieren vor Weltklimagipfel für Kohleausstieg

Unmittelbar vor Beginn der Weltklimakonferenz in Bonn haben tausende Menschen für einen raschen Kohleausstieg demonstriert. Nach einer Großdemonstration in der früheren Hauptstadt verlagerten sich die Proteste in das rheinische Tagebaurevier.

Vor Beginn der Weltklimakonferenz in Bonn haben am Wochenende tausende Menschen für einen raschen Kohleausstieg demonstriert. Nach einer Großdemonstration in der früheren Hauptstadt am Samstag verlagerten sich die Proteste am Sonntag in das rheinische Tagebaurevier. Dort drangen hunderte Aktivisten trotz eines massiven Polizeiaufgebots in das Betriebsgelände ein. Am Montag wird in Bonn knapp zwei Wochen lang über die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens beraten. 

Mehrere hundert Demonstranten gelangten laut Polizei am Sonntagmittag auf das Gelände des Tagebaus Hambach. Das Aktionsbündnis Ende Gelände sprach sogar von mehreren tausend Aktivisten. Laut dem Bündnis musste der Energiekonzern RWE den Betrieb von Kohlebaggern und eines Förderbands im Tagebau einstellen.

Die Polizei versuchte mit einem Großaufgebot, das weitere Eindringen der Demonstranten in den Tagebau sowie Blockaden zu verhindern. Beamte setzten laut der zuständigen Polizei Aachen Pfefferspray ein, mindestens ein Aktivist wurde vorläufig festgenommen. 

Das Aktionsbündnis Ende Gelände hatte schon im Vorfeld der Proteste Blockaden in dem Gebiet angekündigt. Das Bündnis fordert einen sofortigen Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohleverstromung. Bündnissprecherin Dorothee Häußermann verteidigte die Proteste im Tagebau: "Angesichts der Dringlichkeit der Klimakrise ist ziviler Ungehorsam mehr als notwendig". Die Proteste gefährdeten auch keine Menschen.

Am Sonntagmorgen hatten sich zunächst tausende Menschen zu einem Demonstrationszug nahe Kerpen versammelt. Laut Polizei beteiligten sich daran rund 2500 Menschen, die Veranstalter sprachen sogar von 4500 Teilnehmern. Am Samstag hatten bereits tausende Menschen in Bonn für einen Kohleausstieg demonstriert. Die Veranstalter sprachen von rund 25.000 Demonstranten.

Am Montag beginnt in Bonn die 23. Weltklimakonferenz, bei der über die weitere Umsetzung der Klimaziele von Paris beraten wird. Das Pariser Klimaschutzabkommen sieht vor, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad - möglichst auf 1,5 Grad - im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu beschränken.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) warb für einen Ausgleich zwischen Klimaschutz und wirtschaftlichen Interessen. "Wir müssen zeigen, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze sind", sagte Gabriel der "Bild am Sonntag" und betonte dabei die Verantwortung Deutschlands. "Nur wenn wir unter Beweis stellen, dass eine anspruchsvolle Klimapolitik nicht dazu führt, dass Arbeitsplätze und industrieller Erfolg darunter leiden, werden uns andere Länder folgen."

Einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" zufolge sind 59 Prozent der Deutschen dafür, dass die nächste Bundesregierung den Kohleausstieg beschließt. Dagegen sprachen sich 31 Prozent aus. Laut der Umfrage wollen 69 Prozent Umwelt- und Klimaschutz im Zweifel Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen geben. Die Klimapolitik und insbesondere die Frage des Kohleausstiegs sind Knackpunkte in den Gesprächen von CDU, CSU, FDP und Grünen über eine Jamaika-Koalition.

Umweltschutz- und Entwicklungshilfeorganisationen forderten sowohl bei der Weltklimakonferenz als auch bei den Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition Verbesserungen für den Klimaschutz. "Die zentrale Botschaft der nächsten zwei Wochen muss sein, dass die Staatengemeinschaft fest hinter dem Pariser Abkommen steht und sich nun an die engagierte Umsetzung macht", erklärte der Klimaexperte der Entwicklungsorganisation Oxfam, Jan Kowalzig.

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