Porsche 919 Hybrid: Der König der Langstrecke

mid Groß-Gerau - Der Porsche 919 Hybrid ist auch in der Saison 2017 der König der Langstrecke. Porsche

Porsche 919 Hybrid: Der König der Langstrecke

Porsche hat im vorletzten Saisonrennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft in Shanghai beide Titel gewonnen. Die Plätze zwei und drei beim Sechsstundenrennen in der chinesischen Metropole bescherten dem Sportwagenbauer vorzeitig Hersteller- und Fahrer-Titel. Damit fährt der 919 Hybrid als König der Langstrecke von der Bühne.


Da werden im Schwaben-Ländle sicher ein paar Freudentränen kullern. Und ein bisschen Wehmut dürfte wohl auch aufkommen. Porsche hat im vorletzten Saisonrennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2017 beide Titel gewonnen. Die Plätze zwei und drei beim Sechsstundenrennen in der chinesischen Metropole bescherten dem deutschen Sportwagenbauer vorzeitig Hersteller- und Fahrer-Titel.

Damit fährt der 919 Hybrid als König der Langstrecke von der Bühne. Porsche hatte bereits vor Wochen den Ausstieg aus der WEC-Königsklasse LMP1 angekündigt. Die Schwaben werden sich künftig in der Formel E mit ihren Rivalen auf höchstem Motorsport-Niveau messen. Die Rennserie mit rein elektrisch angetriebenen Boliden ist besonders bei den deutschen Unternehmen und Herstellern sehr beliebt. Auch Audi und Schaeffler sowie VW, BMW und Mercedes mischen in der Formel E mit. Die Stern-Marke steigt dafür sogar aus der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) aus. Ganz klar: Dem deutschen Klassentreffen in der Elektro-Rennserie gehört die Zukunft.

Ein Hersteller dürfte nach dem Porsche-Ausstieg aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft auch ein wenig aufatmen: Toyota. Denn die Japaner haben es trotz Millionen-Investitionen nicht geschafft, den deutschen Dauer-Konkurrenten von der Überholspur zu drängen. Porsche hat mit dem 919 Hybrid nicht nur drei Hersteller-Titel in der LMP1-Klasse in Folge eingefahren, sondern auch dreimal hintereinander das berühmte 24-Stunden-Rennen in Le Mans gewonnen. Damit dürfte Toyota in der Saison 2018 als haushoher Favorit an den Start gehen.

Die Japaner gewannen übrigens das vorletzte WEC-Saisonrennen in Shanghai - den doppelten Porsche-Triumph konnten sie damit jedoch nicht verhindern. "Drei Hersteller-Titel und drei Le-Mans-Siege bestätigen unsere damals mutige Entscheidung, etwas ganz Neues zu wagen", sagte Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner. Dies gelte vor allem für die Bereiche Batterie-Technologie, Downsizing, Effizienzsteigerung beim Turbo-Benziner und insbesondere für die Energierückgewinnungssysteme, so Steiner: "Wir haben keine Vorbilder gesucht, sondern unseren eigenen Weg gefunden. Nur so konnte dieses starke Paket entstehen, das uns auf den Rennstrecken und in unserem technischen Entwicklungszentrum massiv nach vorn gebracht hat."

Die Bilanz für den 919 Hybrid ist mehr als eindrucksvoll: Insgesamt sechs WM-Titel, drei Le-Mans-Gesamtsiege, 17 Rennsiege, darunter sieben Doppelerfolge, 19 Pole Positions und zwölf schnellste Runden stehen in bislang 33 Rennen für den Schwaben-Pfeil zu Buche. Den Porsche-Feiertag im Reich der Mitte rundeten Earl Bamber, Timo Bernhard und Brendon Hartley mit dem Gewinn des Fahrer-Titels ab. Dem Werksfahrer-Trio reichte dazu ein zweiter Platz. Die Teamkollegen Neel Jani, Andre Lotterer und Nick Tandy kamen im zweiten 919 Hybrid als Dritte ins Ziel und mussten damit den Weltmeister-Thron räumen.

Für Timo Bernhard und Brendon Hartley ist es nach 2015 der zweite Fahrer-Weltmeistertitel in der WEC. Die beiden sind mit zwölf gemeinsamen Rennsiegen zudem die erfolgreichsten Langstrecken-Piloten der WEC-Geschichte. Timo Bernhard ließ seinen Gefühlen nach dem Titelgewinn freien Lauf: "Der zweite WM-Titel ist Wahnsinn, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Es ist eine Ehre, für das Porsche-LMP-Team und die Marke zu fahren", sagte der 36-Jährige.

Timo Bernhard ist der dienstälteste Porsche-Werksfahrer. Er begann 1999 als Junior und wurde über die Jahre in allen Kategorien Meister. Ihm wurde auch die Ehre zuteil, 2013 den ersten Funktionstest mit der Urversion des 919 Hybrid zu absolvieren. In der schwierigen Testphase half Timo Bernhard, das junge LMP-Team zusammenzuschweißen. Von 2014 bis einschließlich 2016 teilte er sich das Auto mit dem Neuseeländer Brendon Hartley und dem australischen Formel-1-Star Mark Webber. Beide profitierten in dieser Zeit von Bernhards Langstreckenerfahrung, wie Brendon Hartley heute zugibt: "Von Timo und Mark habe ich unglaublich viel gelernt." Da werden beim Saisonfinale am 19. November 2017 in Bahrain sicher ein paar Abschiedstränen in den heißen Wüstensand kullern.

Ralf Loweg / mid

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