Trump:

Trump (l.) und Abe in Tokio Bild: AFP

Trump: "Strategische Geduld" mit Nordkorea am Ende

US-Präsident Donald Trump hat von Tokio aus erneut Warnungen an Pjöngjang gerichtet. 'Die Ära der strategischen Geduld ist zu Ende', sagte der Präsident am Montag nach einem Treffen mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe in Tokio.

Nordkorea steht nicht auf dem Reiseplan des US-Präsidenten, doch während seines Asienbesuchs ganz oben auf der Agenda: Von Tokio aus hat Donald Trump erneut deutliche Warnungen an die Führung in Pjöngjang gerichtet. "Die Ära der strategischen Geduld ist zu Ende", sagte der Präsident am Montag nach einem Treffen mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe in Tokio. 

Das nordkoreanische Atomprogramm bezeichnete Trump als "Bedrohung für die zivilisierte Welt und für den internationalen Frieden und die Stabilität". Trump bezog sich damit auf die Politik der "strategischen Geduld" seines Vorgängers Barack Obama. Dieser hatte die nordkoreanischen Raketentests stets auch verurteilt und neue Sanktionen gegen das Land verhängt. 

Die Wiederaufnahme eines Dialog verweigerte Obama, solange die Führung Pjöngjang keine konkreten Verpflichtungen zur Beendigung seines Atomprogramms eingehe. Ziel war es, Nordkorea mit Sanktionen und Druck im Innern zu einem Kurswechsel zu zwingen.

Kritiker dieser Politik warfen der US-Regierung vor, sie habe Pjöngjang Zeit gegeben, sein Nuklearprogramm voranzutreiben. In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea massiv verschärft. 

Nordkorea hatte Anfang September nach eigenen Angaben seinen sechsten und bisher gewaltigsten Atomwaffentest vorgenommen. Zudem testete Pjöngjang in den vergangenen Wochen mehrfach Mittelstreckenraketen, von denen einige über Japan hinweg flogen.

Abe sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz, Japan unterstütze stets Präsident Trumps Politik, wonach "alle Optionen auf dem Tisch liegen". Washington hatte zuletzt immer wieder mit militärischen Mitteln gedroht, einer diplomatischen Lösung des Konflikts aber Vorrang eingeräumt. 

Zu Beginn seiner knapp zweiwöchigen Asienreise hatte Trump noch einmal Dialogbereitschaft gezeigt. "Ich denke, sich mit jemandem hinzusetzen ist keine schlechte Sache", sagte Trump mit Blick auf ein mögliches Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Er treffe sich mit vielen Menschen, sagte er mit Verweis auch auf die zahlreichen Treffen mit asiatischen Staats- und Regierungschefs während seiner Reise. 

Bereits im Mai hatte Trump ein Treffen mit Kim unter bestimmten Bedingungen nicht ausgeschlossen. Seitdem verschärfte sich jedoch der Ton. Im September drohte Trump Nordkorea in einer Rede vor den Vereinten Nationen mit dessen "völliger Zerstörung".

Abe kündigte bei der Pressekonferenz am Montag weitere Sanktionen gegen Pjöngjang an. "Wir werden morgen beschließen, die Vermögen von 35 Organisationen und Einzelpersonen einzufrieren", die im Zusammenhang mit den systematischen Entführungen von Japanern durch Nordkorea oder dem Atomprogramm stünden. Die Spannungen zwischen Tokio und Pjöngjang bestehen schon mehrere Jahrzehnte.

Besonders das Schicksal der entführten Japaner belastet seit langem die Beziehungen beider Länder. Nordkorea hatte vor gut einem Jahrzehnt zugegeben, in den 1970er und 1980er Jahren 13 Japaner entführt zu haben, um den eigenen Geheimagenten die Sprache und Gebräuche der Japaner beizubringen. Fünf der Entführten durften später in ihre Heimat zurückkehren, die übrigen acht wurden von Pjöngjang für tot erklärt. Tokio geht von mindestens 17 Entführten aus.

Trump sagte nach einem Treffen mit Angehörigen entführter Japaner zu, mit Tokio zusammen daran zu arbeiten, die Entführungsopfer wieder nach Hause zu holen. Es wäre ein "enormes Zeichen" von Pjöngjang, wenn sie zurückkehren dürften. "Wenn sie sie zurückschicken würden, wäre das der Beginn von etwas sehr Besonderem", sagte Trump.

Weitere Stationen sind Südkorea, China, Vietnam und die Philippinen. Auch in Seoul und Peking dürfte Nordkorea wieder eines der beherrschenden Themen sein. Vor allem in Peking dürfte Trump darauf dringen, dass China energischer als bislang Druck auf Nordkorea ausübt.

Comments

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.