Mindestens zwei Tote bei Angriff auf TV-Sender in afghanischer Hauptstadt Kabul

Sicherheitskräfte vor dem Sender Schamschad TV Bild: AFP

Mindestens zwei Tote bei Angriff auf TV-Sender in afghanischer Hauptstadt Kabul

Bewaffnete haben einen Fernsehsender in der afghanischen Hauptstadt Kabul gestürmt. Die drei Angreifer töteten zwei Wachleute. Sicherheitskräfte beendeten die Attacke.

Als Polizisten verkleidete Angreifer haben einen Fernsehsender in der afghanischen Hauptstadt Kabul gestürmt und mindestens zwei Menschen getötet. Wie der Sender Schamschad TV berichtete, sprengte sich sich einer der mit Panzerfäusten und Schusswaffen bewaffneten Angreifer am Eingang des Gebäudes in die Luft und riss einen Wachmann mit in den Tod. Nach Behördenangaben wurde ein weiterer Wachmann getötet. Sicherheitskräfte beendeten die Attacke, zu der sich die IS-Miliz bekannte.

"Der Angriff ist beendet", berichtete Schamschad TV am frühen Nachmittag (Ortszeit). "Nach Angaben des Kommandeurs der Spezialkräfte wurden alle Mitarbeiter, die sich im Gebäude aufhielten, gerettet." Der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, an dem Angriff seien drei Bewaffnete beteiligt gewesen. Zwei Wachleute seien getötet und fünf weitere Menschen verletzt worden. Bei den Verletzten handele es sich um einen Mitarbeiter und vier Feuerwehrleute. 

Der Sender, der landesweit in paschtunischer Sprache berichtet, setzte die Ausstrahlung des zuvor unterbrochenen Programms unmittelbar nach dem Ende des Angriffs fort. "Das ist ein Angriff auf die Freiheit der Medien, aber sie können uns nicht zum Schweigen bringen", sagte der Nachrichtenchef von Schamschad TV, Abid Ehsas, dem Sender Tolo News, als er verletzte Mitarbeiter in einem Krankenhaus besuchte. Drohungen habe der Sender bislang nicht erhalten. 

Er selbst sei in seinem Büro gewesen, als die in Polizeiuniformen gekleideten Bewaffneten ins Gebäude eindrangen, berichtete Ehsas. "Sie töteten einen unserer Wachleute, stürmten ins Gebäude und begannen zu schießen. Die meisten von uns konnten fliehen, aber einige wurden verletzt, und manche sprangen aus dem Fenster."

Nach Angaben des Senders drang nach dem Selbstmordattentat am Eingang ein anderer Angreifer ins Innere des Gebäudes vor und schoss auf Mitarbeiter. Dann sei er auf das Dach gestiegen und habe von dort auf Sicherheitskräfte geschossen. Spezialkräfte sprengten eine Mauer, um sich Zugang zu dem Gelände des Senders zu verschaffen. Sie lieferten sich Schusswechsel mit den Bewaffneten und konnten den Angriff nach etwa drei Stunden beenden.

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich über ihr Sprachrohr Amaq zu der Attacke. Die radikalislamischen Taliban hatten zuvor im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärt, nicht für den Angriff verantwortlich zu sein. 

Kabul wurde in den vergangenen Wochen von mehreren tödlichen Attacken erschüttert. Die radikalsunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Angriffe auf schiitische Moscheen und auf Militäreinrichtungen in Afghanistan verstärkt. Ende Oktober setzte der IS ein Kind für ein Selbstmordattentat ein. 

Die Tat vom Dienstag war der erste groß angelegte Angriff auf Medien in Afghanistan seit dem Sturz der Taliban 2001. Der Angriff wirft ein Licht auf die Gefahren, denen Journalisten in dem Land ausgesetzt sind. 

Im vergangenen Jahr kamen am Hindukusch besonders viele Journalisten ums Leben: Laut dem Afghanischen Komitee für die Sicherheit von Journalisten wurden 13 Medienmitarbeiter getötet, davon zehn von den Taliban. 

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