Islamischer Staat verliert letzte Bastion in Syrien

IS-Miliz verliert letzte Bastion in Syrien Bild: AFP

Islamischer Staat verliert letzte Bastion in Syrien

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre letzte Bastion in Syrien verloren: Die syrische Armee meldete am Donnerstag, die nahe der irakischen Grenze gelegene Stadt Albu Kamal sei mit Hilfe verbündeter Truppen zurückerobert worden.

Nach heftigem, aber nur kurzem Widerstand hat die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) ihre letzte Bastion in Syrien verloren: Die syrische Armee meldete am Donnerstag die Rückeroberung der nahe der irakischen Grenze gelegene Stadt Albu Kamal. Der sunnitischen Extremistengruppe bleiben damit in Syrien nur noch einige Gebiete in der zentralen Provinz Homs sowie im Irak die Ortschaft Rawa.

"Die Befreiung von Albu Kamal ist von großer Bedeutung, da sie das Scheitern des Projekts der IS-Terrorgruppe in der Region bedeutet", erklärte die syrische Armee. Das russische Außenministerium erklärte, mit Hilfe der russischen Luftwaffe sei "die Brutstätte des internationalen Terrorismus auf syrischem Gebiet liquidiert worden", doch bleibe die Bedrohung weiter hoch.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte in Abu Dhabi, er rechne mit einem baldigen "vollständigen militärischen Sieg in Syrien und im Irak" über die IS-Miliz, doch werde der Kampf damit nicht vorbei sein. Für eine politische Lösung müsse in der Region langfristig Stabilität geschaffen werden, und auch "der Kampf gegen Terrorgruppen" müsse weitergehen.

Die IS-Miliz hatte im Juni 2014 ein "Kalifat" in großen Teilen Syriens und des Irak ausgerufen, nachdem sie in einer Blitzoffensive die irakische Armee und die kurdischen Truppen bis vor Erbil und Bagdad zurückgedrängt hatte. Seit 2015 sind die Dschihadisten aber auf dem Rückzug, zuletzt wurden sie aus einer Stadt nach der anderen vertrieben.

Nach Tikrit, Ramadi und Falludscha verlor die Extremistengruppe im Juli auch die nordirakische Großstadt Mossul. In kurzer Folge fielen danach die irakischen Städte Tal Afar und Hawidscha an die Regierungstruppen, und im Oktober nahm ein kurdisch-arabisches Bündnis nach viermonatiger Belagerung auch die syrische IS-Hochburg Raka ein.

Die Kämpfe verlagerten sich daraufhin in die syrisch-irakische Grenzregion, wo die IS-Miliz ihre letzten Rückzugsgebiete hatte. Nachdem vergangene Woche die ostsyrische Großstadt Deir Essor an die syrische Armee gefallen war, nahm sie Albu Kamal ins Visier und schloss die Stadt am Mittwoch ein. Unterstützt wurde sie dabei durch Angriffe der russischen Luftwaffe.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien sind auch die libanesische Hisbollah-Miliz, die iranischen Revolutionsgarden sowie irakische Milizen an der Offensive beteiligt. Sie hätten das Rückgrat der Regierungstruppen gebildet, erklärte die oppositionsnahe Organisation, die über zahlreiche Quellen vor Ort verfügt.

Es war mit heftigen Kämpfen gerechnet worden, nachdem sich Berichten zufolge die IS-Führung und der harte Kern ausländischer Kämpfer in die Grenzregion zurückgezogen hatte, doch brach der Widerstand in Albu Kamal rasch zusammen. Vergangene Woche hatte die IS-Miliz bereits den nahegelegenen Grenzübergang Al-Kaim verloren, womit ihr in der Region nur noch Rawa bleibt.

In Syrien ist die IS-Miliz noch in den Vierteln Jarmuk und Hayar al-Aswad am Rande von Damaskus und in einigen Gebieten der zentralen Provinz Homs und der südlichen Region Deraa präsent. Das "Kalifat" des IS ist damit Geschichte, doch warnen Experten, dass IS-Zellen auch nach dem Verlust der letzten Gebiete weiter eine Bedrohung sein werden.

Unterdessen forderten die Vereinten Nationen die Konfliktparteien in Syrien auf, 400 verletzte und kranke Zivilisten aus der belagerten Rebellenhochburg Ost-Ghuta ausreisen zu lassen. "Rund 400 Männer, Frauen und Kinder müssen sofort evakuiert werden", sagte der Leiter der UN-Hilfsmission für Syrien, Jan Egeland. Ohne schnelle Behandlung würden 29 der Zivilisten sterben.

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