Venezuela will mit eigener Digitalwährung

Venezuelas Präsident Maduro Bild: AFP

Venezuela will mit eigener Digitalwährung "Finanzblockade" aushebeln

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat die Schaffung einer virtuellen Währung für das krisengeplagte Land angekündigt. Die Währung namens 'Petro' soll sich auf die Öl- und Gasvorkommen sowie die Gold- und Diamantenreserven Venezuelas stützen.

Mit der Schaffung einer eigenen Digitalwährung will Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro dem hochverschuldeten Land neuen finanziellen Spielraum verschaffen und Finanzsanktionen durch die USA umgehen. Die Kryptowährung namens "Petro" werde "neue Formen der globalen Finanzierung" vorantreiben, erklärte Maduro am Sonntag. Venezolanische Experten halten die Erfolgsaussichten des virtuellen Geldes, das sich auf die Rohstoffvorkommen des ölreichen Landes stützen soll, allerdings für begrenzt.

Der "Petro" werde die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes trotz der "Finanzblockade" voranbringen, sagte Maduro in seiner wöchentlichen Ansprache. Die venezolanische Regierung kündigte zudem die Einrichtung einer Software-Plattform für den Kauf und Verkauf von Kryptogeld an. Angaben zu Details etwa darüber, wie das virtuelle Geld ausgegeben werden soll, machte der linksnationalistische Staatschef zunächst aber nicht.

Die Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der das südamerikanische Land wegen des Ölpreisverfalls in einer tiefen wirtschaftlichen Krise steckt. Die Auslandsschulden Venezuelas belaufen sich Schätzungen zufolge auf 150 Milliarden Dollar (127 Milliarden Euro).

Einige Ratingagenturen stuften Venezuela sowie den staatlichen Ölkonzern PDVSA bereits als teilweise zahlungsunfähig ein. Maduro machte wiederholt Sanktionen, die die USA gegen Venezuela verhängten, für die Lage des Landes verantwortlich. US-Präsident Donald Trump hatte Ende August den Handel mit neuen venezolanischen Staatsanleihen untersagt. Betroffen davon ist auch der Ölkonzern PDVSA, der für Venezuela eine wichtige Einnahmequelle darstellt.

Der Bolívar, die Nationalwährung des Landes, verlor zuletzt massiv an Wert: Im vergangenen Jahr stürzte er auf dem Schwarzmarkt um 95 Prozent gegenüber dem US-Dollar ab. Im kommenden Jahr dürfte die Inflation auf 2300 Prozent ansteigen.

Um ihre Einnahmen vor diesem Wertverfall zu schützen, haben sich viele Venezolaner bereits der Digitalwährung Bitcoin zugewandt, die zuletzt immense Kursgewinne verzeichnete. Geschätzt zehntausende Einwohner des südamerikanischen Landes, in dem es angesichts der Wirtschaftskrise immer wieder zu Versorgungsengpässen kommt, beteiligen sich am sogenannten Mining neuer Bitcoin-Einheiten - ein Prozess, bei dem sie in Anteilen an der bekanntesten Digitalwährung entlohnt werden.

Dass die eigene Digitalwährung "Petro" ähnlich begehrt wie der Bitcoin sein wird, bezweifeln venezolanische Analysten wie Henkel García von der Beratungsfirma Econometrica allerdings. "Du kannst sie erschaffen - aber den Erfolg der Kryptowährung bestimmen Vertrauen, Akzeptanz und der Gebrauch", erklärte García. Diese würden "eher begrenzt" sein. "Der Bolívar ist auch durch Reserven gestützt und hat keine Stärke", sagte der Analyst. 

Das Vertrauen in ein Land hänge vom Ausmaß der Produktion und des erschaffenen Wohlstands ab. "Dem Dollar zum Beispiel vertrauen die Leute wegen des Ausmaßes an Reichtum, das sie mit ihm assoziieren", sagte García.

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