Patientenschützer verzeichnen große Nachfrage nach Beratung zu Patientenverfügungen

Mehr Nachfrage nach Beratung zu Patientenverfügungen Bild: AFP

Patientenschützer verzeichnen große Nachfrage nach Beratung zu Patientenverfügungen

Der Beratungsbedarf zu Patientenverfügungen ist deutlich gestiegen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 11.700 Beratungen zu solchen Vorsorgedokumenten und Vollmachten.

Der Beratungsbedarf zu Patientenverfügungen ist deutlich gestiegen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 11.700 Beratungen zu solchen Vorsorgedokumenten und Vollmachten, was den bisherigen Höchststand im Jahr davor nochmals übertraf, wie die Stiftung am Freitag in Dortmund mitteilte. Viele Menschen seien verunsichert, was in einer guten Patientenverfügung stehen müsse.

"Wir merken, das Thema Vorsorgedokumente brennt den Menschen unter den Nägeln", erklärte Vorstand Eugen Brysch. Die Patientenschützer raten allerdings davon ab, Vorsorgedokumente ausschließlich aus dem Internet zu verwenden. Nötig sei eine individuelle Beratung. Denn nur umfassend und eindeutig formulierte Dokumente seien praxistauglich und könnten auch durchgesetzt werden. 

Wer Beratung suche, sollte sich im Vorfeld bei den Anbietern genau erkundigen, wie teuer es wird, wie viel Zeit zur Verfügung steht und ob der Anbieter Vordrucke benutzt, in denen nur noch der Name eingesetzt wird. "Eine gute Beratung braucht 90 Minuten und lässt später noch Raum für Nachfragen und Bedenkzeit", gab Brysch zu bedenken. Auch Verbraucherschützer raten zur Vorsicht insbesondere bei Musterformularen aus dem Internet, in denen die Formulierungen vorgegeben sind, und empfehlen ein persönliches Gespräch bei einem Arzt.

Der Bundesgerichtshof hatte 2016 entschieden, dass eine Patientenverfügung konkret sein muss und sich deutlich zu einzelnen medizinischen Maßnahmen oder zu bestimmten Krankheiten äußern muss. Die Formulierung, "lebensverlängernde Maßnahmen" seien nicht erwünscht, reicht demnach nicht aus, um beispielsweise eine künstliche Ernährung zu beenden. 

Auch Hilfen zu den ab 2017 geltenden Neuerungen in der Pflege waren bei den Patientenschützern demnach stark nachgefragt. Im Zuge der Reform waren die bisher drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt worden. Dadurch haben mehr Menschen Anspruch auf Leistungen, insbesondere bei Demenzerkrankungen oder psychisch bedingter Pflegebedürftigkeit.

Die Beratungen für Hilfe in akuten Krisen stieg nach Angaben der Patientenschützer 2017 um 400 auf insgesamt 3600 Fälle an. Dabei standen Probleme mit den seit Beginn vergangenen Jahres geltenden neuen Pflegegraden im Mittelpunkt. Auch der Bestandsschutz alter Einstufungen und die Pflegeheimkosten wurden nachgefragt.

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