Bei RWE-Eon-Deal droht Verlust von 5000 Arbeitsplätzen

Innogy-Zentrale in Essen Bild: AFP

Bei RWE-Eon-Deal droht Verlust von 5000 Arbeitsplätzen

Beim geplanten Deal zwischen den beiden Energieriesen Eon und RWE wird mit dem Verlust von bis zu 5000 Arbeitsplätzen gerechnet. Unterdessen gab es Warnungen vor steigenden Strompreisen.

Der geplante Deal zwischen den beiden Energieriesen Eon und RWE wird nach Angaben der beteiligten Unternehmen zum Verlust von Arbeitsplätzen führen. Ersten Berechnungen zufolge sei der Abbau von "maximal 5000 Arbeitsplätzen" zu erwarten, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Unternehmen vom Montagabend. Eon rechne aber zugleich damit, im kommenden Jahrzehnt "tausende neue Arbeitsplätze" schaffen zu können. 

Durch die Übernahme des Netz- und Vertriebsgeschäfts der RWE-Tochter Innogy erwartet Eon der Erklärung zufolge Kosteneinsparungen in Höhe von 600 bis 800 Millionen Euro jährlich, die ab dem Jahr 2022 realisiert werden sollen. Das Unternehmen verwies darauf, dass die anfänglichen Job-Verluste weniger als sieben Prozent der dann 70.000 Beschäftigte umfassenden neuen Eon-Belegschaft ausmachten.

Eon und RWE hatten vereinbart, im Rahmen eines weitreichenden Tauschs von Vermögenswerten und Geschäftsbereichen den gesamten durch RWE gehaltenen Innogy-Anteil von 76,8 Prozent an Eon zu übertragen. Den Innogy-Aktionären unterbreitete Eon ein freiwilliges Übernahmeangebot. Dabei sollen die Anteilseigner mit Stand Montagabend je Aktie 40 Euro erhalten.

Die Chefs von Eon und RWE, Johannes Teyssen und Rolf Martin Schmitz, wollen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz um 09.00 Uhr in Essen Einzelheiten zu der Transaktion erläutern. Dafür sagte RWE am Montagabend die eigentlich geplante Bilanzpressekonferenz ab. Auch die für Mittwoch vorgesehene Eon-Telefonkonferenz zur Bilanz 2017 entfällt, wie das Unternehmen mitteilte.

Wettbewerbsexperten sehen angesichts der geplanten Neuordnung auf dem deutschen Energiemarkt keine Gefahr einer Monopolbildung. "Die Konzentration von Eon auf Netze und Vertrieb ist aus Wettbewerbssicht unkritisch zu sehen", sagte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der "Rheinischen Post" (Dienstagsausgabe). "Im Stromvertrieb sind Markteintrittsbarrieren gering, so dass hier wenig wettbewerbliche Bedenken vorliegen." Und die Stromnetze seien in Deutschland so reguliert, dass die Unternehmen nicht über den Preis konkurrieren.

Kritischer sieht Wambach hingegen einen Machtzuwachs von RWE bei der Stromerzeugung: "Als Anbieter von Versorgungssicherheit durch konventionelle Energie sowie von Erneuerbaren Energien wird RWE allerdings in zwei Märkten an Gewicht gewinnen, deren Relevanz in der Zukunft deutlich zunehmen wird." Es wäre "bedauerlich", wenn sich der große Spieler Eon hier zurückziehen würde. 

RWE und Eon hatten am Wochenende überraschend bekanntgegeben, dass sie den Energiemarkt in Deutschland neu aufteilen wollen: Eon mit Innogy wäre zuständig für Netze und die Versorgung der Kunden mit Strom und Gas, RWE würde Kraftwerke betreiben und Strom erzeugen. Diesem Plan müssen die Kartellbehörden allerdings noch zustimmen.

Die Bundesregierung begrüßte die Pläne. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Ich habe Vertrauen in unsere Energieunternehmen, dass sie auf jeden Fall die beste Variante suchen, wie sie die Energiewende und die nachhaltige Energieversorgung schaffen können".

Die scheidende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte, es sei "gut, wenn es in Deutschland wettbewerbsfähige und international orientierte Energieversorger" gebe. Ihrem designierten Nachfolger Peter Altmaier (CDU) zufolge darf sich die Politik nicht in einzelne Entscheidungen von Unternehmen einmischen.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, forderte: "Das Bundeskartellamt muss jetzt genau prüfen, welchen Einfluss die Fusion auf private Verbraucher hat." Die Strompreise für Verbraucher dürften nicht noch weiter ansteigen, sagte Müller. Diese seien "ohnehin zu hoch". 

Der Vorsitzende des Bunds der Energieverbraucher, Aribert Peters, forderte das Bundeskartellamt auf, eine Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch Eon zu untersagen: "Wir befürchten, dass das auch zu höheren Strompreisen für Verbraucher führt."

Der NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) mahnte RWE und Eon, Arbeitsplätze zu sichern. Außerdem sollten die Strompreise nicht steigen, "sondern eher sinken", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger (Dienstagsausgabe). 

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