Türkische Armee: Kurdenstadt Afrin ist eingekreist

Menschen fliegen aus Afrin Bild: AFP

Türkische Armee: Kurdenstadt Afrin ist eingekreist

Bei ihrer Offensive gegen Kurdenkämpfer im Nordwesten Syriens hat die türkische Armee nach eigenen Angaben die Stadt Afrin eingekreist. Die Kurdenbastion sei umschlossen worden, erklärten die Streitkräfte nach Angaben der amtlichen Agentur Anadolu.

Bei ihrer Offensive gegen Kurdenkämpfer im Nordwesten Syriens hat die türkische Armee nach eigenen Angaben die Stadt Afrin eingekreist. Die Kurdenbastion sei am Montag umschlossen worden, erklärten die Streitkräfte am Dienstag nach Angaben der amtlichen türkischen Agentur Anadolu. Das syrische Rote Kreuz bereitete sich unterdessen darauf vor, Verletzte aus der seit Wochen umkämpften Region Ost-Ghuta nahe Damaskus herauszuholen. 

Während die türkische Armee keine näheren Angaben zu ihrer Offensive in Afrin machte, bestätigte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, dass die Stadt beinahe vollständig eingekreist sei. Die einzige noch offene Straße, die aus der Enklave herausführe, sei "in Schussweite" der türkischen Kräfte. 

Die Türkei geht seit Januar in der Region Afrin militärisch gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) vor, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung empfindet. Für die USA ist die Kurdenmiliz dagegen ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden seit Beginn der türkischen Offensive mehr als 200 Zivilisten getötet. Beobachter und Nichtregierungsorganisationen sind wegen eines möglichen Angriffs auf die 350.000-Einwohner-Stadt Afrin besorgt. Mehrere hundert Menschen sind laut Beobachtungsstelle bereits aus Angst vor einer Belagerung oder eines direkten Angriffs aus der Stadt geflohen.

Als mahnendes Beispiel dient die Situation in der Region Ost-Ghuta vor den Toren der syrischen Hauptstadt Damaskus. Dort sind seit Beginn der drei Wochen andauernden Offensive der syrischen Armee nach Angaben der Beobachtungsstelle 1185 Zivilisten getötet worden. Die Armee kontrolliert demnach inzwischen 60 Prozent der einstigen Rebellenhochburg.

Mehr als tausend Menschen müssen nach Angaben der UNO aus medizinischen Gründen dringend aus der Rebellenhochburg evakuiert werden. Das syrische Rote Kreuz bereitete sich am Dienstag auf eine solche Evakuierung vor. Die Islamistengruppe Dschaisch al-Islam, die Teile Ost-Ghutas kontrolliert, hatte am Montag von einer entsprechenden Abmachung zwischen Russland und den Vereinten Nationen berichtet.

Sieben Jahre nach dem Beginn des Syrien-Kriegs ist kein Ende des Blutvergießens absehbar. Die  Beobachtungsstelle sprach am Montag von 353.935 Toten seit Kriegsbeginn. Unter den Opfern seien mehr als 106.000 Zivilisten, unter ihnen fast 20.000 Kinder und 12.500 Frauen, teilte die oppositionsnahe Organisation mit. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

Die UNO kritisierte am Dienstag die "monströse Gleichgültigkeit" gegenüber dem Leid der Kinder in Syrien. Die stellvertretende UN-Kommissarin für Menschenrechte, Kate Gilmore, forderte vor dem UN-Menschenrechtsrat sofortige Maßnahmen, um den Kindern in den Kampfgebieten zu helfen. 

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