Linke Aktivisten in Paris wegen Bahn-Sabotage vor Gericht

Der mutmaßliche Rädelsführer der "Tarnac-Gruppe", Coupat Bild: AFP

Linke Aktivisten in Paris wegen Bahn-Sabotage vor Gericht

In Frankreich sorgt ein Prozess gegen linke Aktivisten für große Aufmerksamkeit: In Paris müssen sich Mitglieder der sogenannten 'Tarnac-Gruppe' wegen Sabotage an Bahnstrecken verantworten. Die Verteidigung spricht von einem Justiz- und Politikskandal.

Ein angeblicher Polit- und Justizskandal mit Spuren nach Deutschland sorgt in Frankreich für große Aufmerksamkeit: In einem am Dienstag in Paris eröffneten Prozess müssen sich acht Mitglieder der sogenannten "Tarnac-Gruppe" wegen Sabotage an Bahnstrecken verantworten. Der ursprüngliche Vorwurf des "Terrorismus" wurde fallen gelassen, die Verteidigung dringt auf eine Einstellung des Verfahrens.

Dem mutmaßlichen Anführer Julien Coupat und sieben weiteren Autonomen drohen in dem Prozess jeweils bis zu zehn Jahre Haft. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Gruppe, das Lahmlegen einer Bahnlinie im Großraum Paris sowie Gewalt gegen Staatseigentum vorgeworfen. 

Eine Spezialeinheit von 150 vermummten Polizisten hatte Ende 2008 das verschlafene Dorf Tarnac im Zentrum Frankreichs gestürmt und die Aktivisten verhaftet. Die Regierung des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy verkündete daraufhin, es sei eine gefährliche "ultralinke" Zelle ausgehoben worden, die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen "Terrorismus". 

In dem Fall führten Spuren nach Deutschland: Die Bahnlinie wurde mit Hakenkrallen zu dem Zeitpunkt lahmgelegt, als ein Atommülltransport von Frankreich nach Deutschland rollte. Zudem wurde deutschen Zeitungen ein Bekennerschreiben von angeblichen Atomkraftgegnern zugespielt. Deshalb vermuteten die Ermittler Verbindungen zu radikalen deutschen Linken.

Diese Hinweise und die auf eine "Terrorzelle" erhärteten sich jedoch nicht. Der Anwalt des Hauptangeklagten Coupat sagte nun, er erwarte von dem Prozess "die Autopsie eines Fiaskos".

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