Türkische Armee erobert nordsyrische Stadt Afrin

Mit der Türkei verbündeter Rebellenkämpfer in Afrin Bild: AFP

Türkische Armee erobert nordsyrische Stadt Afrin

Knapp zwei Monate nach Beginn ihrer Offensive in Nordsyrien haben die türkischen Truppen und ihre Verbündeten die mehrheitlich kurdische Stadt Afrin eingenommen. Die kurdischen Einheiten kündigten erbitterten Widerstand gegen die Besatzung an.

Knapp zwei Monate nach dem Beginn ihrer Offensive in Nordsyrien haben die türkischen Armee und ihre Verbündeten die mehrheitlich kurdische Stadt Afrin eingenommen. Das Stadtzentrum sei "vollständig" erobert, sagte am Sonntag der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan. AFP-Reporter vor Ort beobachteten in sämtlichen Stadtteilen türkische Soldaten und ihre syrischen Verbündeten. Die kurdischen Einheiten kündigten erbitterten Widerstand gegen die Besatzung an.

"Einheiten der Freien Syrischen Armee, die von der türkischen Armee unterstützt wird, haben heute morgen um 08.30 Uhr (06.30 Uhr MEZ) die vollständige Kontrolle über das Stadtzentrum von Afrin übernommen", sagte Erdogan. Eine "große Zahl" kurdischer Kämpfer sei geflohen. Türkische Spezialeinheiten seien in der Stadt stationiert worden.

AFP-Reporter in der Stadt hörten Freudenschüsse, vor einem Behördengebäude waren zwei türkische Panzer postiert. An mehreren Gebäuden wurden türkische Flaggen und Fahnen der mit Ankara verbündeten syrisch-arabischen Milizen gehisst. 

Die in der gleichnamigen Enklave gelegene Stadt Afrin war das Hauptziel der am 20. Januar von der Türkei gestarteten Offensive "Olivenzweig". Die Einnahme der Stadt ist ein wichtiger Sieg der Türkei über die Kurdenmiliz YPG. Ankara betrachtet die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation. Für die USA sind die YPG jedoch ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

"Unsere Arbeit ist nicht beendet", sagte der türkische Regierungssprecher Bekir Bozdag am Sonntag. Edogan hatte zuvor damit gedroht, die Offensive auf andere von Kurden kontrollierte Gebiete in Nordsyrien auszuweiten.

Anwohnern zufolge zogen sich die YPG-Einheiten nahezu kampflos aus Afrin zurück, nachdem die türkischen Truppen die Stadt zuletzt umzingelt hatten. Die syrischen Kurden kündigten aber an, ihren Kampf bis zur vollständigen Rückeroberung der Region Afrin fortzusetzen. Der Widerstand gegen die türkische Besatzung werde so lange dauern, bis "jeder Quadratzentimeter von Afrin befreit ist und die Menschen in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren", erklärten die Behörden der halbautonomen Region. 

Der Krieg sei in eine "neue Phase" eingetreten, erklärten die Kurden weiter. "Wir gehen von einer direkten Konfrontation zu Überraschungsangriffen über." Die Widerstandskämpfer würden für die türkische Armee und die mit ihnen verbündeten syrischen Rebellen zum "ständigen Albtraum" werden.

Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge waren in den vergangenen Tagen mehr als 250.000 Menschen aus Afrin geflohen. Seit Beginn der Offensive wurden demnach mehr als 280 Zivilisten getötet. Wie die Beobachtungsstelle am Sonntag weiter mitteilte, wurden seit Beginn des Militäreinsatzes zudem mehr als 1500 kurdische Kämpfer getötet. Seit dem 20. Januar seien überdies mehr als 400 protürkische Rebellen getötet worden.

Die türkische Armee spricht von 46 getöteten türkischen Soldaten. Ankara weist die Angaben zu den zivilen Opfern zurück und bestreitet auch einen Luftangriff auf das wichtigste Krankenhaus in Afrin, bei dem 16 Menschen getötet worden sein sollen.  In dem seit sieben Jahren wütenden Bürgerkrieg sind die Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle - wie auch jene der Konfliktparteien - nur schwer zu überprüfen.

Die Lage in der Rebellenenklave Ost-Ghuta am Rande der syrischen Hauptstadt Damaskus war am Wochenende weiter dramatisch. Berichten zufolge flohen in den vergangenen Tagen mehr als 65.000 Menschen aus der Enklave. Das syrische Staatsfernsehen zeigte Flüchtlingstrecks, die aus Ost-Ghuta in die Regierungszone strömten. 

Syriens Machthaber Baschar al-Assad reiste am Sonntag zu einem Truppenbesuch in die Region östlich von Damaskus. Das Staatsfernsehen zeigte ihn inmitten von Soldaten. Es war Assads erste Reise in die Region seit Jahren.

Die syrischen Regierungstruppen hatten im Februar eine großangelegte Offensive auf Ost-Ghuta gestartet. Seither wurden nach Aktivistenangaben mehr als 1400 Zivilisten getötet.

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