Jemens Regierungstruppen starten Offensive zur Rückeroberung Hodeidas

Soldat der Regierungstruppen in der Provinz Hodeida Bild: AFP

Jemens Regierungstruppen starten Offensive zur Rückeroberung Hodeidas

Regierungstruppen im Jemen haben trotz internationaler Warnungen vor einer humanitären Katastrophe mit einer Offensive auf die strategisch wichtige Hafenstadt Hodeida begonnen. Dabei wurden nach Militärangaben vier Soldaten getötet.

Regierungstruppen im Jemen haben trotz internationaler Warnungen vor einer humanitären Katastrophe mit einer Offensive auf die strategisch wichtige Hafenstadt Hodeida begonnen. Mit Unterstützung Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) rückten Soldaten am Mittwoch auf den Flughafen der von Huthi-Rebellen kontrollierten Stadt vor, wie Stabsoffiziere der Nachrichtenagentur AFP sagten. Dabei seien vier Soldaten der Emirate getötet worden, hieß es in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur WAM verbreiteten Armee-Mitteilung.

Nach Armeeangaben begann die Offensive am Mittwochmittag, nachdem die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition "grünes Licht" gegeben hatte. Aus Militärkreisen verlautete, die Allianz habe in den Stunden zuvor 18 Luftangriffe auf Huthi-Stellungen in den Vororten Hodeidas geflogen.

Nach Angaben von Medizinern wurden bei diesen Angriffen in den vorangegangenen 24 Stunden 22 Huthi-Kämpfer getötet. Drei regierungsnahe Kämpfer seien in einem Hinterhalt südlich der Stadt am Roten Meer getötet worden.

Über den Hafen Hodeida wird ein Großteil der humanitären Hilfe für das Not leidende Land angeliefert. Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen fürchten, dass die Kämpfe um Hodeida die Hilfslieferungen gefährden, auf die Millionen Menschen im Jemen angewiesen sind. Der UN-Sicherheitsrat soll nach Angaben aus Diplomatenkreisen wegen der Offensive am Donnerstag zu einer Sitzung zusammenkommen.

Das Auswärtige Amt in Berlin zeigte sich "sehr besorgt über die aktuellen Entwicklungen in Hodeida". Ein Sprecher appellierte an "alle Konfliktparteien den Schutz der Zivilbevölkerung zu gewährleisten". Die Kämpfe drohten "die laufenden Vermittlungsbemühungen des UN-Sondergesandten Martin Griffiths weiter zu erschweren".

Die Hilfsorganisation Save the Children warnte, durch die Kämpfe seien in Hodeida etwa 300.000 Kinder in großer Gefahr. Familien drohten ins Kreuzfeuer zwischen Rebellen und Regierungstruppen zu geraten. Zudem sei zu befürchten, dass der Hafen für Hilfslieferungen geschlossen werde.

Jemens Regierung begründete die Offensive damit, dass Verhandlungen mit den Huthi-Rebellen zum Abzug aus Hodeida gescheitert seien. "Alle politischen und friedlichen Mittel sind erschöpft", erklärte die Regierung.

Die Regierungstruppen hatten Ende Mai einen ersten Angriff auf die Hafenstadt gestartet, die seit 2014 von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert wird. Ziel ist die Rückeroberung der Stadt. Die Militärkoalition beschuldigte die Rebellen, über den Hafen iranische Waffen zu importieren - insbesondere ballistische Raketen, mit denen die Milizen zuletzt häufiger Ziele in Saudi-Arabien angegriffen haben. 

Die Huthi-Rebellen forderten die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Eskalation aufzuhalten - ansonsten sei die Schifffahrt auf dem Roten Meer gefährdet. 

Seit Beginn des Konflikts im Jemen wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 10.000 Menschen getötet und mehr als 55.000 weitere verletzt. Außerdem starben mehr als 2200 Menschen an Cholera. Die UNO beschreibt die humanitäre Krise im Jemen als die derzeit größte weltweit. 8,4 Millionen Menschen sind demnach von einer Hungersnot bedroht.

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