BUND: Recycling-Produkte aus Elektroschrott können Gesundheit gefährden

Elektroschrott Bild: AFP

BUND: Recycling-Produkte aus Elektroschrott können Gesundheit gefährden

Recycling-Produkte aus Elektroschrott können laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Gesundheitsgefahr darstellen. Für sie gelten deutlich höhere Grenzwerte bei bromierten Flammschutzmitteln, was die Umweltschützer kritisieren.

Recycling-Produkte aus Elektroschrott können laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Gesundheitsgefahr darstellen. Die Umweltschützer ließen in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zehn Produkte auf giftige bromierte Flammschutzmittel testen. Das Ergebnis: Neun davon enthielten mehr von den giftigen Substanzen, als es in Neuwaren erlaubt wäre. Für Recycling-Produkte gelten aber deutlich höhere Grenzwerte, was die Umweltschützer kritisieren.

So darf Neuware beispielsweise maximal zehn Millionstel von polybromiertem Diphenylether (PBDE) enthalten, der vermehrt in älteren Elektroprodukten auftaucht. Recycling-Produkte dürfen dagegen bis zu 1000 Millionstel der Verbindung enthalten. Das Labor fand in einem Kamm 21, in einem Zauberwürfel 24, in einer Spielzeugpistole 262 und in einem Schlüsselanhänger 511 Millionstel PBDE. Somit lagen die Recycling-Güter zwar innerhalb des Grenzwerts - wären sie aus neuen Materialien hergestellt worden, dürften sie aber nicht mehr verkauft werden. 

Neben PBDE gibt es noch vier weitere Hauptklassen von bromierten Flammschutzmitteln, die lange Zeit weit verbreitet waren. Sie sollen verhindern, dass Materialien schnell Feuer fangen. In den letzten Jahren sind allerdings viele wegen Gefahr für Mensch und Umwelt verboten beziehungsweise in der Anwendung eingeschränkt worden. Die enthaltenen Schadstoffe werden über die Atemluft und über die Haut von Menschen aufgenommen und können das Nervensystem schädigen, die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen sowie Lern- und Verhaltensstörungen bei Kindern auslösen.

Im Rahmen der Studie untersuchten europaweit mehrere Umweltverbände insgesamt 109 Recycling-Produkte. 50 Test-Artikel lagen demnach über den EU-Grenzwerten für Neuware. Die Giftstoffe stammen laut Studie größtenteils aus Elektroschrott, dessen Einzelteile in Billigprodukten weiterverarbeitet wurden. 

"Es kann nicht sein, dass eigentlich schon verbotene Giftstoffe in neuen Recyclingprodukten wieder in den Umlauf gebracht werden", erklärte Manuel Fernández vom BUND. Er forderte, entsprechende Ausnahmeregelungen auf EU-Ebene abzuschaffen. Außerdem solle die Bundesregierung bessere Kontrollen für Recyclingmaterialien einführen.

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