Automobilindustrie warnt eindringlich vor Brexit ohne Abkommen

Flagge bei Protest für Verbleib Großbritanniens in EU Bild: AFP

Automobilindustrie warnt eindringlich vor Brexit ohne Abkommen

Die europäische Automobilindustrie hat eindringlich vor den Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen gewarnt. Ein harter Brexit bedrohe das Geschäftsmodell der Branche, warnte der europäische Herstellerverband Acea.

Vertreter der europäischen Automobilindustrie haben eindringlich vor den Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen gewarnt. Ein harter Brexit bedrohe das Geschäftsmodell der Branche, warnte der Generalsekretär des europäischen Autoherstellerverbands Acea, Erik Jonnaert, am Mittwoch in Brüssel. Allein die Kosten, die womöglich für Zollabgaben fällig würden, würden Jonnaert zufolge voraussichtlich die Gewinnmargen der Hersteller übersteigen.

Derzeit funktioniere die europäische Wertschöpfungskette der Autoindustrie quasi ohne Lagerzeiten, hob Jonnaert hervor: "Die Teile sind entweder in der Weiterverarbeitung oder auf dem Weg dorthin." Mit Wartezeiten wegen der Zollabfertigung an den britischen Grenzübergängen werde dies kaum noch möglich sein.

"Unsere Mitglieder arbeiten bereits an Notfallplänen und suchen nach Lagerflächen, um Autoteile zwischenzulagern", sagte der Verbandschef. Dennoch sei klar, dass kein Notfallplan die enormen Folgen ausgleichen könnte.

Großbritannien tritt am 29. März 2019 aus der EU aus. Sigrid de Vries, Chefin des Zulieferer-Verbands Clepa, kritisierte, dass wenige Monate vor diesem Datum noch nicht geklärt sei, wie die Handelsbeziehungen über den Ärmelkanal in Zukunft aussehen werden. "Die Unternehmen können sich nicht vorbereiten, weil sie nicht wissen worauf." Diese Unsicherheit müsse ein Ende haben, forderte de Vries.

Fakt sei, dass in jedem aktuell denkbaren Szenario nach dem Brexit und einer eventuellen Übergangsphase Zollabwicklungen in irgendeiner Form notwendig würden, unterstrich Stephan Freismuth, der bei BMW für Zollfragen zuständig ist. Nicht nur die Zollbehörden, sondern auch die Unternehmen müssten sich darauf vorbereiten. Viele insbesondere kleinere Zulieferer hätten damit bislang keinerlei Erfahrung, weil es innerhalb Europas bisher nicht notwendig ist.

Dennoch versicherte der BMW-Manager: "Wir haben nicht die Absicht, unsere Produktionsleistung in Großbritannien zu reduzieren." BMW betreibt vier Werke im Vereinigten Königreich. Roberto Vavassori, Vorstandsmitglied beim italienischen Bremsteilhersteller Brembo, teilte diesen Optimismus nicht: "Auf einem hart umkämpften Markt ist die Produktion in Großbritannien auf lange Sicht möglicherweise nicht mehr nachhaltig."

Zuletzt sind die Sorgen vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen gewachsen. Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten am Mittwoch bei ihrem Gipfel in Brüssel über die festgefahrenen Brexit-Gespräche. Die Verhandlungen zwischen Brüssel und London waren am Sonntag ausgesetzt worden, nachdem beide Seiten sich erneut nicht auf eine Lösung für die künftige Grenze zwischen Irland und Nordirland einigen konnten.

Comments

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.