Umweltschützer fordern Nachrüstung von Kohlemeilern mit Stickoxid-Katalysatoren

Kohlekraftwerk Staudinger in Hessen Bild: AFP

Umweltschützer fordern Nachrüstung von Kohlemeilern mit Stickoxid-Katalysatoren

Umweltschützer haben von Kraftwerksbetreibern eine Nachrüstung von Kohlemeilern mit Stickoxid-Katalysatoren gefordert. Die Kraftwerke gehören zu den Hauptproduzenten von Stickoxid.

Umweltschützer haben die Kraftwerksbetreiber zur Nachrüstung von Kohlemeilern mit Stickoxid-Katalysatoren gedrängt. In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie zeigen sie, dass zwei Drittel der Steinkohle- und drei Viertel der Braunkohlekraftwerke die künftig geltenden Grenzwerte noch nicht einhalten. Dabei mache aktuelle Abgastechnik es möglich, noch viel mehr Stickoxid zu binden, hieß es. Stickoxide haben schädliche Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen.

Laut der von der Klima-Allianz Deutschland und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Auftrag gegebenen Studie hat die deutsche Energiewirtschaft ihren Stickoxid-Ausstoß in den vergangenen 20 Jahren nicht merklich reduziert. Er liegt demnach konstant bei rund 300.000 Tonnen pro Jahr. Damit stößt die Energiebranche ein Viertel des Stickoxids in Deutschland aus. Allein die acht größten Braunkohlekraftwerke verursachen zwei Drittel der Emissionen des Energiesektors und acht Prozent der Gesamtemissionen in Deutschland.

Ab 2021 müssen die Kraftwerke aber strengere Grenzwerte einhalten. Braunkohlekraftwerke dürfen spätestens dann 175 Milligramm Stickoxid pro Kubikmeter Abgas nicht mehr überschreiten. Der Untersuchung zufolge stoßen aber 29 von 40 Blöcken mehr aus. Durch den Einbau von Katalysatoren könnten diese weniger als 85 Milligramm ausstoßen - das ist aber nicht vorgeschrieben.

Steinkohlekraftwerke sollen künftig weniger als 150 Milligramm ausstoßen. Dabei stoßen aktuell 44 von 65 Blöcken mehr aus - der aktuelle Grenzwert liegt bei 200 Milligramm im Tagesmittel. Dabei sind laut Studie alle Steinkohlekraftwerke bereits verpflichtend mit Katalysatoren ausgestattet, die den Ausstoß um die Hälfte reduzieren könnten. Demnach lasten die Betreiber die Katalysatoren aber nicht voll aus, um Kosten zu sparen.

Eine Minderung auf 85 Milligramm würde laut Studie pro erzeugter Kilowattstunde Strom bei Steinkohlekraftwerken etwa 0,036 Cent kosten, bei Braunkohle etwa 0,074 Cent. Bei Braunkohlekraftwerken mit einer Restlaufzeit unter acht Jahren schlagen die Studienautoren billigere Maßnahmen vor, die nur 0,019 Cent kosten würden. "Das sind äußerst geringe Kosten für einen großen Gewinn für die Gesundheit der Bevölkerung", erklärte Fabian Hübner von der Klima-Allianz.

Die Umweltschützer fordern von der Bundesregierung Auskunft darüber, wie streng sie die neuen Grenzwerte durchsetzen will. Eine erste Deadline zur Umsetzung im August habe sie bereits verstreichen lassen. Das sei aber wichtig für die Arbeit der Kohlekommission, die derzeit einen Plan zum Ausstieg aus der Kohleverstromung erarbeitet.

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