Astronomen beobachten erstmals Materie in der Nähe des

Milchstraße Bild: AFP

Astronomen beobachten erstmals Materie in der Nähe des "Punkts ohne Wiederkehr"

So nah sind Forscher einem Schwarzen Loch noch nie gekommen: Im Zentrum der Milchstraße haben Astronomen erstmals Materie nahe dem sogenannten 'Punkt ohne Wiederkehr' beobachtet - jenem Punkt, an dem ein Schwarzes Loch Materie nach innen zieht.

So nah sind Forscher einem Schwarzen Loch noch nie gekommen: Im Zentrum der Milchstraße haben Astronomen erstmals Materie nahe dem sogenannten "Punkt ohne Wiederkehr" beobachtet - jenem Punkt, an dem ein Schwarzes Loch Materie durch seine immense Masse unwiderbringlich nach innen zieht. Die Wissenschaftler beobachteten nach Angaben vom Mittwoch Gasverdichtungen, die mit 30 Prozent der Lichtgeschwindigkeit um das Schwarze Loch herumrasen.

Materie, die einem Schwarzen Loch zu nahe kommt, ist dazu verdammt, über den sogenannten Ereignishorizont gezogen zu werden. Der dem Schwarzen Loch am nächsten gelegene Punkt, den das Material noch umkreisen kann, wird als innerster stabiler Orbit bezeichnet. Dort befinden sich die nun beobachteten Verdichtungen aus Gas, wie die Europäische Südsternwarte (ESO) weiter erläuterte.

Die Beobachtung werden zugleich als weitere Bestätigung für die seit langem vermutete Existenz eines supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Galaxie gewertet. Dieses Gravitationsmonster ist 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt eine Masse, die vier Millionen Mal so groß ist wie diejenige der Sonne. Schwarze Löcher sind exotische Objekte, deren gigantischer Schwerkraft selbst das Licht nicht entkommen kann.

Für seine nun in der Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics" veröffentlichten Untersuchungen nutzte das internationale Wissenschaftlerteam das "Gravity"-Instrument am Very Large Telescope (VLT) der ESO in Chile. "Gravity" kombiniert das Licht der insgesamt vier VLT-Teleskope zu einem virtuellen Superteleskop mit einem Durchmesser von 130 Metern.

"Es ist überwältigend, tatsächlich Zeuge zu sein, wie Material um ein massereiches Schwarzes Loch mit 30 Prozent der Lichtgeschwindigkeit umherläuft", erklärte der Wissenschaftler Oliver Pfuhl vom Max-Planck-Insitut für extraterrestrische Physik (MPE). 30 Prozent der Lichtgeschwindigkeit entsprechen rund 90.000 Kilometern pro Sekunde. 

Bereits zu Beginn dieses Jahres hatten "Gravity" und ein weiteres VLT-Instrument namens "Sinfoni" es dem gleichen Forscherteam ermöglicht, den Vorbeiflug des Sterns S2 durch das extreme Gravitationsfeld des Schwarzen Lochs im Milchstraßenzentrum genau zu vermessen. Zum ersten Mal wurden dabei die Auswirkungen nachgewiesen, wie sie von Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie für solch eine extreme Umgebung vorhergesagt wurden.

Gleichzeitig registrierten die Wissenschaftler eine starke Infrarotstrahlung. "Während unserer Beobachtungen hatten wir das Glück, drei helle Ausbrüche um das Schwarze Loch herum zu bemerken - es war ein glücklicher Zufall", erklärte Puhl zu den neuen Beobachtungen.

Laut MPE lässt sich die Bewegung der drei im galaktischen Zentrum beobachteten Ausbrüche dadurch erklären, dass die Materie das Schwarze Loch auf einer Umlaufbahn umkreist, deren Radius drei- bis fünfmal größer ist als der Ereignishorizont.

Der Studienleiter Reinhard Genzel vom MPE erklärte: "Das war schon immer eines unserer Traumprojekte, aber wir wagten nicht zu hoffen, dass es so bald verwirklicht werden würde." Das Ergebnis der Forschungen sei "eine überzeugende Bestätigung der Lehrmeinung", dass es sich bei dem gewaltigen Objekt im Milchstraßenzentrum um ein massereiches Schwarzes Loch handele.

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