Mindestens 79 Tote und Dutzende Verletzte bei Pipeline-Brand in Mexiko

Mexikanische Soldaten am Unglücksort Bild: AFP

Mindestens 79 Tote und Dutzende Verletzte bei Pipeline-Brand in Mexiko

Bei einem Brand an einer angezapften Benzin-Pipeline in Mexiko sind mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 79 Menschen starben nach Angaben von Gesundheitsminister Alcocer bei dem Unglück im Bundesstaat Hidalgo. 66 weitere wurden verletzt.

Bei einem Brand an einer angezapften Benzin-Pipeline in Mexiko sind mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 79 Menschen starben nach Angaben von Gesundheitsminister Jorge Alcocer bei dem Unglück im Bundesstaat Hidalgo, 66 weitere würden im Krankenhaus behandelt - darunter einige mit schwersten Verbrennungen an 80 Prozent des Körpers. Bei den Opfern handelte es sich um Dorfbewohner, die Treibstoff aus der beschädigten Pipeline abzapfen wollten.

Das Unglück ereignete sich in der Nähe der 20.000-Einwohner-Stadt Tlahuelilpan gut hundert Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt. Hunderte Menschen, darunter auch ganze Familien, waren am Freitagnachmittag (Ortszeit) mit Kanistern und Eimern zu der Benzinleitung geeilt, um sich illegal mit Treibstoff zu versorgen. Es kam jedoch zu einer Explosion und die Pipeline geriet in Brand. Die Flammen schlugen meterhoch in den Himmel, erst gegen Mitternacht war das Feuer gelöscht.

Am Samstag sicherten Soldaten die zerstörte Pipeline, die immer noch qualmte. Gerichtsmediziner in weißen Schutzanzügen untersuchten die verkohlten Leichen. Immer noch hing stechender Benzingeruch in der Luft.

Zeugen schilderten erschütternde Szenen vom Unglücksort. "Ich war gerade gekommen um zu sehen, was los ist, als sich die Explosion ereignete. Ich bin den Leuten zu Hilfe geeilt", sagte der 47-jährige Fernando García. "Ich musste zwischen den Überresten von Menschen gehen, die vollständig verbrannt waren."

Nach Angaben der Regierung wurde die Pipeline von Treibstoffschmugglern angezapft. Als die Regierung davon erfuhr, schickte sie eine Einheit von 25 Soldaten zu dem Leck, wie Verteidigungsminister Luis Crescencio Sandoval sagte. Es gelang den Soldaten aber nicht, die geschätzt 700 Menschen aufzuhalten. Als sich die Explosion ereignete, hatten sich die Soldaten den Angaben zufolge schon wieder zurückgezogen, um eine Konfrontation zu vermeiden.

Präsident Andrés Manuel López Obrador besuchte am Samstagmorgen die Unglücksstelle. Er zeigte sich "zutiefst betroffen" über das Unglück und nahm die Soldaten in Schutz. Sie hätten sich richtig verhalten, es sei "nicht leicht", eine Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen.

US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen erklärte, ihr Ministerium stehe bereit, um den Rettungskräften und der mexikanischen Regierung "auf jede erdenkliche Art zu helfen". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach López Obrador und den Mexikanern in einem Telegramm ihr "herzliches Beileid" aus. 

López Obrador hatte erst Anfang Dezember sein Amt angetreten und dem Treibstoffdiebstahl den Kampf angesagt. Durch das illegale Anzapfen von Pipelines gingen dem mexikanischen Staat nach offiziellen Angaben allein im Jahr 2017 umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro verloren. Mehrere Treibstoffleitungen wurden in den vergangenen Wochen von der Regierung geschlossen, um das Treiben krimineller Banden zu stoppen.

Die neue Strategie des Präsidenten führte in den vergangenen Tagen in mehreren mexikanischen Bundesstaaten zu Benzin- und Dieselknappheit. In vielen Landesteilen müssen die Menschen stunden- oder sogar tagelang Schlange stehen, um ihre Autos aufzutanken.

Auch in Tlahuelilpan machten Bewohner die Treibstoffknappheit für den tödlichen Zwischenfall verantwortlich. "Viele Leute sind wegen der Benzinknappheit mit ihren Kanistern gekommen", sagte der 55-jährige Martín Trejo, der vor Ort verzweifelt nach seinem Sohn suchte.

Der staatliche Ölkonzern Pemex meldete unterdessen einen weiteren Brand an einer Pipeline im Bundesstaat Querétaro. Auch dort sei das Feuer an einer Stelle ausgebrochen, an der Menschen illegal Treibstoff abzapften. Allerdings sei in der Wüstengegend niemand verletzt worden.

Comments

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.