Koalition uneins über Kostenerstattung homöopathischer Mittel

Homöopathische Präparate Bild: AFP

Koalition uneins über Kostenerstattung homöopathischer Mittel

Die große Koalition diskutiert kontrovers über die Erstattung homöopathischer Mittel durch die gesetzlichen Krankenkassen. Auch in der CDU wird dies unterschiedlich gesehen.

Die große Koalition ist uneins in der Frage, ob die gesetzlichen Krankenkassen auch künftig die Kosten für homöopathische Mittel übernehmen können sollen. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), und die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar brachten ein Ende der bislang möglichen Erstattung ins Gespräch. Die Unionsgesundheitsexpertin Karin Maag (CDU) wandte sich dagegen. Die medizinische Wirkung homöopathischer Mittel ist umstritten.

Rüddel sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Freitag, es sei "schwer vermittelbar", dass Kosten für Homöopathie teilweise übernommen würden, während an anderer Stelle gespart werden müsse. "Deswegen kann ich mir durchaus ein Ende der Erstattungsfähigkeit vorstellen."

Dittmar sagte den RND-Zeitungen, sie könne die kürzlich in Frankreich getroffene Entscheidung, die Kostenübernahme zu beenden, "absolut nachvollziehen". "Die Wirksamkeit homöopathischer Mittel ist nicht nachgewiesen." Sie sehe es deshalb "kritisch, dass Krankenkassen und damit die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler diese Mittel finanzieren". Es sei aber wichtig, zwischen Naturheilkunde und Homöopathie zu unterscheiden.

Maag verwies im Deutschlandfunk darauf, dass die gesetzlichen Kassen die Erstattung als sogenannte Zusatzleistung übernehmen könnten. "Auf freiwilliger Basis halte ich das für sehr verträglich." Es gelte das Kassenwahlrecht. Wer Homöopathie ablehne, solle eine Kasse wählen, die die Erstattungsfähigkeit nicht in Anspruch nehme.

Hingegen sagte die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus den RND-Zeitungen, jeder, der Homöopathie befürworte, solle sie auch weiter erwerben können. "Aber auf Selbstzahlerbasis."

Der Linken-Politiker Harald Weinberg bezeichnete die Debatte in den RND-Zeitungen als überzogen. Die Kosten für Homöopathie für die Krankenkassen seien extrem niedrig. Es gebe wichtigere Probleme im Gesundheitswesen, beispielsweise den Pflegenotstand in Krankenhäusern, der zu Komplikationen und vermeidbaren Todesfällen führe.

Das Bundesgesundheitsministerium wollte in dem Streit keine Position beziehen. Eine Sprecherin verwies darauf, dass die Kassen in ihren Satzungen eine Kostenübernahme festlegen könnten, ähnlich wie bei Zahnreinigung oder Haushaltshilfen. Zudem sei es nicht Sache des Bundesgesundheitsministeriums, die Wirksamkeit von Medikamenten zu bewerten. Dies mache die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. 

Die französische Regierung hatte vor wenigen Tagen beschlossen, dass homöopathische Mittel ab 2021 nicht mehr von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden sollen. Grund sind massive Zweifel an der Wirksamkeit der Globuli.

Am Donnerstag forderte bereits der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, ein Ende der Finanzierung solcher Leistungen durch die Krankenkassen in Deutschland. Der AOK-Bundesverband verlangte Klarheit vom deutschen Gesetzgeber.

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte wehrte sich gegen ein Aus der Kostenerstattung. "Ein Verbot der Erstattung homöopathischer Leistungen wäre ein Schritt hin zu einer 'Monokultur' in der Medizin", erklärte die Vorsitzende Michaela Geiger. "Wir wünschen uns eine Versorgung nach dem Vorbild des Schweizer Modells."

Dort würden Leistungen der Homöopathie, Naturheilkunde und weiterer Therapiemethoden seit 2017 von der Grundversicherung voll erstattet. In diesem Zusammenhang sei die Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit anders als in Frankreich geprüft worden.

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