Indien verliert Kontakt zu seiner Mondsonde

Die indische Mondsonde "Vikram" Bild: AFP

Indien verliert Kontakt zu seiner Mondsonde

Indiens Raumfahrtprogramm hat einen schweren Rückschlag erlitten: Nur Augenblicke, bevor das indische Mondlandegerät 'Vikram' am Samstag auf dem Erdtrabanten aufsetzen sollte, brach der Kontakt ab.

Indiens Raumfahrtprogramm hat einen schweren Rückschlag erlitten: Nur Augenblicke, bevor das indische Mondlandegerät "Vikram" am Samstag auf dem Erdtrabanten aufsetzen sollte, brach der Kontakt ab. Die geplante Landung auf dem Mond gehörte zu den Prestigeprojekten des Landes. Indien wollte mit "Vikram" die vierte Mondlandenation der Welt werden.

Während Premierminister Narendra Modi und Millionen Inder vor den Fernsehschirmen mit angehaltenem Atem zuschauten, verstummte "Vikram" am frühen Samstagmorgen plötzlich, während das Landegerät nur noch 2,1 Kilometer von der Mondoberfläche entfernt war. Indien sei trotzdem stolz, sagte Modi und tröstete den sichtlich entsetzten Chef der Raumfahrtbehörde mit einer langen Umarmung.

Das Manöver sei zunächst planmäßig verlaufen, dann sei der Kontakt zwischen dem Landegerät und dem Kontrollzentrum am Boden abgerissen, berichtete die indische Raumfahrtbehörde Isro. Die bis dahin übermittelten Daten würden nun ausgewertet.

"Vikram" sollte in der Nähe des Südpols auf dem Mond landen. Dort ist bisher noch niemand gelandet. An Bord des Landegeräts befand sich der Mond-Rover "Pragyan", der die Mondoberfläche untersuchen sollte.

Was genau mit "Vikram" geschah, blieb zunächst unklar. Schon vor der geplanten Landung hatte die Isro eingeräumt, eine sanfte Landung auf dem Erdtrabanten sei ein äußerst komplexes Manöver. Behördenchef Kailasavadivoo Sivan sprach von "15 Minuten des Terrors".

Mondlandungen gelangen bisher nur den USA, Russland und China. Ein israelisches Privatunternehmen war dagegen im April mit seiner Mondmission gescheitert: Die Raumsonde zerschellte bei der Landung auf der Oberfläche des Erdtrabanten. 

Die Raumfahrtbehörde Isro verwies darauf, dass der indische Orbiter "Chandrayaan-2", der den Mond ein Jahr lang umkreisen und aus der Distanz untersuchen soll, weiter "gesund und intakt bei normaler Funktion und sicher in der Mond-Umlaufbahn" sei.

Die Trägerrakete mit "Vikram" an Bord war am 22. Juli vom Weltraumbahnhof Satish Dhawan im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh gestartet. Indien verfolgt ehrgeizige Raumfahrtpläne: Regierungschef Modi hat bis 2022 eine bemannte Raummission angekündigt. 

Mit seiner Mondlandemission folgt Indien einem internationalen Trend. Die Weltraum-Supermacht USA will bis 2024 mit Astronauten auf den Mond zurückkehren. China hatte im Januar als erstes Land eine Sonde auf die erdabgewandte Seite des Mondes gebracht. Außerdem plant die Volksrepublik binnen eines Jahrzehnts bemannte Missionen auf den Mond sowie eine Raumstation auf dem Erdtrabanten. 

Erst vor Kurzem war weltweit an die erste Mondlandung vor 50 Jahren erinnert worden: Am 20. Juli 1969 hatte der US-Astronaut Neil Armstrong im Zuge des Nasa-Programms Apollo 11 als erster Mensch den Mond betreten.

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