US-Regierung: Luftangriffe auf Ölanlagen von iranischem Boden aus gestartet

Aramco-Ölanlage in der Nähe von Riad Bild: AFP

US-Regierung: Luftangriffe auf Ölanlagen von iranischem Boden aus gestartet

Die Luftangriffe auf saudiarabische Öl-Anlagen sind nach US-Erkenntnissen von iranischem Boden aus geführt worden. Ein US-Regierungsmitarbeiter sagte zudem der Nachrichtenagentur AFP, dass bei den Angriffen Marschflugkörper eingesetzt worden seien.

Nach den Luftangriffen auf zwei saudiarabische Ölanlagen verfügen die USA nach eigenen Angaben über gesicherte Erkenntnisse für die Verantwortung des Iran. Ein Regierungsvertreter in Washington sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP, es stehe fest, dass die Attacken von iranischem Boden aus geführt worden seien. Dabei seien unter anderem Marschflugkörper eingesetzt worden. 

Der US-Regierungsmitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden wollte, äußerte sich allerdings nicht dazu, von welcher Art das Beweismaterial sein soll. Laut "Wall Street Journal" übermittelten die USA bereits Geheimdiensterkenntnisse an Saudi-Arabien, wonach von iranischem Boden "mehr als 20 Drohnen und mindestens zwölf Raketen" auf die Anlagen des saudiarabischen Staatskonzerns Aramco abgefeuert worden sein sollen. 

Saudiarabische Regierungsvertreter betrachten jedoch der Zeitung zufolge die US-Informationen mit Skepsis. Als Beleg dafür, dass die Angriffe vom Iran ausgingen, reichten sie nach ihrer Ansicht nicht, schrieb das "Wall Street Journal". Riad macht Teheran bislang nicht direkt für die Angriffe verantwortlich. Die saudiarabische Regierung erklärte nur, dass dafür iranische Waffen verwendet worden seien.

Zu den Attacken hatten sich die Huthi-Rebellen aus dem Jemen bekannt. Sie werden vom Iran im jemenitischen Bürgerkrieg in ihrem Kampf gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition unterstützt. Teheran bestreitet jegliche Verantwortung für die Angriffe vom Samstag auf die Aramco-Anlagen in Abkaik und Churais. Der iranische Präsident Hassan Ruhani rechtfertigte diese jedoch als "Selbstverteidigung" der Huthi-Rebellen. 

US-Präsident Donald Trump sagte am Montag, dass der Iran mutmaßlich hinter den Angriffen stecke, er aber das "definitive" Ergebnis der Untersuchungen abwarten wolle. Unklar war am Dienstag, ob die inzwischen von dem US-Regierungsmitarbeiter zitierten Informationen über Trumps Kenntnisstand vom Vortag hinausgehen.

Nach Angaben dieses Regierungsmitarbeiters trägt Washington ein Dossier zu den Angriffen zusammen. Dieses solle der internationalen Gemeinschaft und besonders den europäischen Verbündeten in der kommenden Woche am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York vorgelegt werden.

Dies deutet darauf hin, dass Trump bei der Reaktion auf die Angriffe an Koordination nicht nur mit Saudi-Arabien und anderen Partnern im Nahen Osten, sondern auch den europäischen Verbündeten gelegen ist. Der US-Präsident sagte am Montag, für die Antwort auf die Angriffe gebe es "viele Optionen". Es gebe keinen Anlass zur Eile, zunächst stünden Gespräche mit Verbündeten an erster Stelle.

US-Außenminister Mike Pompeo wollte noch am Dienstag nach Saudi-Arabien abfliegen, um dort über die Reaktion auf die Luftangriffe zu beraten, wie Vizepräsident Mike Pence ankündigte. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Premierminister Boris Johnson forderten eine "gemeinsame Reaktion" der internationalen Gemeinschaft. In einem Telefonat seien sich Merkel und Johnson über die "Notwendigkeit" einig gewesen, mit "internationalen Partnern eine gemeinsame Reaktion zu vereinbaren", teilte Downing Street mit.

Trump hatten am Sonntag gewarnt, dass die USA "mit geladener Waffe" bereitstünden, schlug aber später weniger martialische Töne an. Er sei nicht darauf aus, in einen "neuen Konflikt zu geraten", sagte der US-Präsident am Montag. "Aber manchmal muss man das", fügte der US-Präsident allerdings hinzu.

Trump befindet sich nach Ansicht von US-Kommentatoren in einer Zwickmühle - zwischen einerseits dem Bedürfnis, den Eindruck von Schwäche zu vermeiden, und anderseits seinem Widerstreben dagegen, sein Land in einen neuen militärischen Konflikt zu verwickeln. 

Die Luftangriffe führten zu einem Einbruch der saudiarabischen Ölproduktion. Nach dem starken Anstieg des Ölpreises am Montag ging dieser am Dienstag aber wieder zurück. Bis zum Nachmittag sank der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent in London um rund fünf Prozent auf 65,35 Dollar.

Comments

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.