Mord an irakischem Aktivisten treibt Demonstranten auf die Straße

Beisetzung von Aktivisten Fahem al-Tai in Kerbela Bild: AFP

Mord an irakischem Aktivisten treibt Demonstranten auf die Straße

Die Ermordung eines bekannten Aktivisten im Irak hat zahlreiche Demonstranten auf die Straße getrieben. Hunderte Menschen nahmen im südirakischen Kerbela an der Beisetzung von Fahem al-Tai teil, der am Sonntag von Unbekannten erschossen worden war.

Die Ermordung eines bekannten Aktivisten im Irak hat am Montag zahlreiche Demonstranten auf die Straße getrieben. Hunderte Menschen nahmen in der südirakischen Pilgerstadt Kerbela an der Beisetzung von Fahem al-Tai teil, der am Sonntagabend von Unbekannten erschossen worden war. Bei einem Raketenangriff auf eine Militärbasis in Bagdad, auf der auch US-Truppen stationiert sind, wurden derweil sechs Soldaten verletzt.

Der 56-jährige al-Tai war nach der Rückkehr von einer Demonstration vor seinem Haus von Männern auf einem Motorrad erschossen worden. "Wir werden unsere Märtyrer nicht vergessen", stand auf einem Schild der Trauernden, die am Montag seinen Sarg zu Grabe trugen. Bei den beispiellosen Massenprotesten gegen Korruption, Klientelismus und Misswirtschaft gab es seit Anfang Oktober bereits mehr als 450 Tote.

Zuletzt wurden mehrere Demonstranten und Aktivisten gezielt ermordet, darunter die 19-jährige Demonstrantin Sahra Ali, deren Leiche mit Folterspuren vor dem Haus ihrer Familie in Bagdad abgelegt wurde. Am Freitag wurde zudem der junge Fotograf Seid al-Chafadschi entführt, der eine bekannte Figur im Protestlager auf dem Bagdader Tahrir-Platz war.

In der Nähe des Platzes war die Lage am Freitagabend eskaliert, als Bewaffnete ein Parkhaus attackierten, das die Demonstranten seit Wochen besetzt halten. Bei dem Angriff wurden 20 Demonstranten und vier Polizisten getötet. Zuvor hatten sich Anhänger der schiitischen Hasched-al-Schaabi-Milizen unter die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz gemischt. 

Mehrere westliche Staaten riefen die Regierung in Bagdad auf, nicht zuzulassen, dass bewaffnete Gruppen "außerhalb ihrer Kontrolle operieren". Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fragte, wie die Bewaffneten durch mehrere Kontrollpunkte bis zu dem Parkhaus gelangen konnten. Die Botschafter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens riefen die Regierung auf, "sicherzustellen, dass die Hasched al-Schaabi den Protestorten fern bleiben".

Der Kommandeur der Milizen, die 2014 mit Hilfe des Iran für den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebildet worden waren, wies seine Männer nach dem Angriff auf das Parkhaus an, sich den Demonstranten nicht zu nähern, was viele als Schuldeingeständnis verstanden.

Unterdessen wurden beim Einschlag von vier Raketen auf einem Militärstützpunkt in der Nähe des Bagdader Flughafens sechs Angehörige einer Anti-Terror-Eliteeinheit verletzt, zwei davon schwer. Auf der Militärbasis befinden sich auch US-Soldaten und US-Diplomaten. Der Angriff war der neunte binnen sechs Wochen auf US-Militäranlagen und die US-Botschaft in der hoch gesicherten Grünen Zone in Bagdad. 

Bislang bekannte sich niemand zu den Angriffen. Die US-Regierung machte proiranische Milizen verantwortlich. Am Samstag wurde zudem das Haus des einflussreichen Politikers Moktada al-Sadr mit einer Drohne angegriffen, doch entstand nur Sachschaden. Der schiitische Geistliche al-Sadr ist der Anführer des größten Blocks im Parlament und steht dem Einfluss des Iran in der irakischen Politik sehr kritisch gegenüber.

Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi Anfang Dezember verhandeln die irakischen Parteien über die Bildung einer neuen Regierung. Präsident Barham Saleh hat noch bis zum 17. Dezember, um einen neuen Regierungschef zu ernennen. Die Demonstranten fordern ein Kabinett ohne Beteiligung der etablierten Politiker, die sie pauschal für die soziale und wirtschaftliche Krise im Land verantwortlich machen.

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