China stellt im Kampf gegen Coronavirus Millionen Menschen unter Quarantäne

Sicherheitsschleuse an einer U-Bahnstation in Peking Bild: AFP

China stellt im Kampf gegen Coronavirus Millionen Menschen unter Quarantäne

Trotz drastischer Maßnahmen der chinesischen Sicherheitsbehörden breitet sich das neuartige Coronavirus in der Volksrepublik immer weiter aus. Das Gesundheitsministerium in Peking erklärte am Sonntag, das Potenzial des Virus werde 'stärker'.

Trotz drastischer Quarantäne-Maßnahmen der chinesischen Sicherheitsbehörden breitet sich das neuartige Coronavirus in der Volksrepublik immer weiter aus. Das Gesundheitsministerium in Peking erklärte am Sonntag, das Potenzial des Virus werde "stärker". Der Bürgermeister von Wuhan, dem Zentrum der Epidemie, geht von tausend weiteren Infektionsfällen in der Elf-Millionen-Metropole aus. Die USA, Frankreich und Japan kündigten an, ihre Bürger aus der betroffenen Provinz Hubei zu holen. 

Offiziell gibt es in China bislang 2000 Infektionsfälle, 56 Patienten starben. Wuhans Bürgermeister Zhou Xianwang äußerte allerdings den Verdacht, dass sich die Zahl der Infektionen inzwischen auf 3000 erhöht haben könnte. Zur Begründung verwies er auf die mehr als 2200 Verdachtsfälle in den Krankenhäusern seiner Stadt. Es sei von einer Infektionsrate von 45 Prozent auszugehen. 

Mit drastischen Reisebeschränkungen versuchen die chinesischen Behörden, die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen. Nach Wuhan steht inzwischen praktisch die gesamte Provinz Hubei unter Quarantäne, betroffen sind rund 56 Millionen Menschen. Vier Großstädte, darunter Peking und Shanghai, sowie die östliche Provinz Shandong setzten den Verkehr von Überlandbussen aus.

Nach einer Reihe von Großstädten wiesen am Sonntag auch die bevölkerungsreichste Provinz Guangdong im Süden sowie die Provinz Jiangxi im Zentrum des Landes alle Einwohner an, Mundschutz zu tragen. Davon betroffen sind allein in Guangdong mehr als 110 Millionen Menschen.

Die USA, Frankreich und Japan kündigten unterdessen Evakuierungsaktionen für ihre Bürger an. Aus Regierungskreisen in Berlin verlautete hingegen, das Auswärtige Amt berate noch mit den Betroffenen und Partnerorganisationen vor Ort über die Situation. Demnach leben in der Region etwa hundert Deutsche mit ständigem Wohnsitz.

Besondere Sorge bereitet den Behörden die Ähnlichkeit des neuen Virus mit dem Sars-Virus, dem in den Jahren 2002 und 2003 in China und Hongkong hunderte Menschen erlagen. Chinesische Experten sagten am Sonntag, nach derzeitigem Wissenstand sei das neue Virus weniger gefährlich als der Sars-Erreger. Allerdings sei das neue Virus schon während der bis zu zwei Wochen langen Inkubationszeit ansteckend, was den Kampf gegen seine Ausbreitung deutlich erschwere. Chinas Staatschef Xi Jinping sprach nach einer Krisensitzung der KP-Führung von einer "ernsten" Bedrohung. 

Wuhan glich unterdessen einer Geisterstadt. Statt der zum Neujahr üblichen festlichen Menge waren am Wochenende nur wenige Menschen mit ihren obligatorischen Atemschutzmasken in den Straßen zu sehen. Per Lautsprecher-Durchsagen wurden die Bewohner aufgerufen, bei ersten Anzeichen von Unwohlsein ins Krankenhaus zu gehen. 

In Hongkong, das nach mehreren Infektionsfällen den Gesundheitsnotstand ausgerufen hatte, wurde am Sonntagabend ein als Quarantäne-Zentrum geplantes leerstehendes Gebäude mit Benzinbomben angegriffen. Zuvor hatte es heftige Kritik an der Regierungschefin der Sonderverwaltungszone, Carrie Lam, gegeben. Gesundheitsexperten und Politiker hatten unter anderem dazu aufgerufen, die Grenzen zu Festland-China zu schließen. 

Außer in China traten einzelne Infektionsfälle auch in anderen Ländern auf, darunter in den USA, Australien und Frankreich. Österreich und Kanada meldeten am Wochenende jeweils einen Verdachtsfall. Ein Verdachtsfall in Berlin bestätigte sich nicht.

Gesundheitspolitiker betonten, dass Deutschland gut auf mögliche Infektionsfälle vorbereitet sei. Es gebe "klare Pandemiepläne, regelmäßige Übungen sowie die Ressourcen, um schnell und effektiv zu reagieren", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der "Welt".

Notfallpläne existieren auch beim Flughafenverband ADV. Dessen Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel sagte der "Rheinischen Post", dass Flugzeuge mit möglichen Coronavirus-Patienten an Bord nur an fünf Flughäfen in Deutschland landen dürften. Die Airports Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und Berlin verfügen demnach über sogenannte Kernkapazitäten zum Schutz der öffentlichen Gesundheit. 

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