Alstom will Bombardier-Bahnsparte mit Hauptsitz Berlin übernehmen

Logos von Alstom und Bombardier Bild: AFP

Alstom will Bombardier-Bahnsparte mit Hauptsitz Berlin übernehmen

Der französische Alstom-Konzern will die Bahnsparte des kanadischen Unternehmens Bombardier für 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro übernehmen. In Deutschland arbeiten rund 6800 Menschen für Bombardier Transportation mit Hauptsitz in Berlin.

Der französische Zughersteller Alstom will die in Berlin ansässige Bahnsparte des kanadischen Konkurrenten Bombardier übernehmen. Es sei ein Kaufpreis von 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro zur hundertprozentigen Übernahme von Bombardier Transportation vereinbart worden, teilte Alstom am Montagabend mit. Bombardier Transportation beschäftigt rund 6800 Menschen in Deutschland und mehr als 40.000 weltweit.

Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge versicherte, durch die Übernahme seien keine Arbeitsplätze bedroht - "ganz im Gegenteil". Zu den deutschen Werken von Bombardier Transportation sagte Poupart-Lafarge allerdings, es seien womöglich "punktuelle" Anpassungen des jeweiligen Produktionsvolumens notwendig. Neben dem Hauptsitz in Berlin hat die Bombardier-Bahnsparte Werke an sieben deutschen Standorten: Bautzen, Görlitz, Braunschweig, Kassel, Mannheim, Hennigsdorf und Siegen.

Bombardier Transportation ist einer der wichtigsten Zulieferer der Deutschen Bahn. Zuletzt hatte der Hersteller Negativ-Schlagzeilen gemacht: Die Bahn verweigerte Ende Januar die Abnahme von 25 neuen IC-Doppelstockzügen von Bombardier wegen gravierender Software-Probleme. Im vergangenen April hatte Bombardier zudem Probleme mit Schweißnähten bei ICE-Fernzügen der neuesten Generation eingeräumt.

Der Bombardier-Mutterkonzern erklärte im kanadischen Montreal, der Verkauf der Bahnsparte spüle dem Unternehmen frisches Geld in die Kassen. Dieses werde zum Abbau von Schulden in Höhe von 9,3 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 8,6 Milliarden Euro) genutzt. Auf dem verbleibenden Markt der Geschäftsflugzeuge könne Bombardier damit "aus einer Position der Stärke" agieren, betonte Konzernchef Alain Bellemare.

Ungewiss ist, ob die anvisierte Fusion die notwendige wettbewerbsrechtliche Zustimmung der EU-Kommission erhält. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire kündigte an, er wolle mit Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sprechen. Vor einem Jahr war eine Zusammenlegung der Bahnsparten von Alstom und Siemens am Veto der Behörde gescheitert. Vestager hatte sich dagegen ausgesprochen. 

Durch den Zusammenschluss von Alstom und Bombardier Transportation würde ein Bahntechnikkonzern mit einem Umsatz von insgesamt 15 Milliarden Euro und einem Auftragsvolumen von mehr als 75 Milliarden Euro entstehen. 

Alstom will damit nicht zuletzt seine Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem chinesischen Staatsunternehmen CRRC steigern, das mittlerweile etwa 30 Milliarden Euro Umsatz im Jahr macht, doppelt so viel wie der französische Hersteller. Allerdings war die starke chinesische Konkurrenz gegenüber der EU-Kommission auch schon vergeblich als Argument für das gescheiterte Zusammengehen von Alstom und Siemens in die Waagschale geworfen worden.

Bombardier Transportation hat nach eigenen Angaben 40.650 Beschäftigte in 60 Ländern und verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatz von etwa 7,7 Milliarden Euro. Alstom hat gut 36.000 Beschäftigte. Der französische Konzern erzielte in seinem im März 2019 beendeten Geschäftsjahr einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro.

Der Mutterkonzern von Bombardier Transportation befindet sich wegen seiner hohen Schulden mitten in einem Restrukturierungsprozess. Im vergangenen Jahr hatte Bombardier sein Geschäft mit Regionalflugzeugen für umgerechnet knapp 700 Millionen Euro an das japanische Unternehmen Mitsubishi Heavy Industries verkauft. Zuletzt gab Bombardier auch seine Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen mit Airbus zur Fertigung des Modells A220 auf. 

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