Stilllegung von ältestem Atomkraftwerk Frankreichs in Fessenheim begonnen

Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze Bild: AFP

Stilllegung von ältestem Atomkraftwerk Frankreichs in Fessenheim begonnen

Im elsässischen Fessenheim hat die Stilllegung des ältesten Atomkraftwerk Frankreichs begonnen. Die Abschaltung des ersten von zwei Reaktoren sei planmäßig verlaufen und gegen 02.00 Uhr beendet worden, teilte der Betreiber EDF mit.

Im elsässischen Fessenheim hat die Stilllegung des ältesten Atomkraftwerk Frankreichs begonnen. Die Abschaltung des ersten von zwei Reaktoren sei planmäßig verlaufen und in der Nacht zum Samstag gegen 02.00 Uhr abgeschlossen worden, teilte der Betreiber Electricité de France (EDF) mit. Das nahe der deutschen Grenze gelegene Atomkraftwerk hatte vor 43 Jahren den Betrieb aufgenommen. Atomkraftbefürworter kündigten für Samstagnachmittag eine Demonstration an.

Die Abschaltung des 900-Megawatt-Druckwasserreaktors hatte am späten Freitagabend begonnen. Das Verfahren sei normal verlaufen, im Kontrollraum sei es aber "emotional" zugegangen, teilte EDF mit. Zuvor hatten Mitarbeiter, die mit der Abschaltung nicht einverstanden waren, noch damit gedroht, die geplanten Arbeitsschritte nicht zu befolgen. 

Fessenheims Bürgermeister Claude Brender kritisierte die Stilllegung, für die nach seinen Worten viele Menschen in der Region kein Verständnis haben, als "Sterbehilfe". "Wir töten eine Maschine, die noch 20 Jahre hätte laufen können", sagte er.

Frankreichs Energieministerin Elisabeth Borne nannte die Abschaltung dagegen einen "historischen Schritt" und versprach, es werde keinen Arbeitsplatzverlust geben. Der Umweltverband BUND erklärte die Stilllegung für längst überfällig. "Das Atomkraftwerk Fessenheim hätte nie in Betrieb gehen dürfen", sagt ein BUND-Sprecher. "So gesehen kommt die Abschaltung 43 Jahre zu spät".

Frankreich beugt sich mit der Abschaltung dem jahrelangen Druck aus Deutschland und der Schweiz. Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 hatten Atomkraft-Kritiker angesichts großer Sicherheitsrisiken zunehmend darauf gedrungen. Ursprünglich hatte die französische Regierung das Aus für das Akw Fessenheim bereits für Ende 2016 versprochen. Trotz einer Zusage des damaligen Präsidenten François Hollande gab die Regierung von Präsident Emmanuel Macron aber erst 2018 endgültig grünes Licht. 

Am 30. Juni soll nach Angaben der französischen Regierung dann Block zweides Akw Fessenheim endgültig abgeschaltet werden. Es wird danach voraussichtlich mehrere Monate dauern, bis beide Reaktoren ausreichend abgekühlt sind und mit dem Rückbau des Atomkraftwerks begonnen werden kann. Die Brennelemente sollen bis 2023 entfernt werden. Die Demontage des Meilers beginnt 2025 und könnte bis 2040 dauern. 

Deutschland und Frankreich haben vereinbart, in der Region Fessenheim einen Technologiepark zu errichten. Dafür sind Startgelder in Höhe von rund einer Million Euro vorgesehen.

Frankreich plant allerdings lediglich einen Teilausstieg aus der Atomkraft: Bis 2035 sollen 14 Reaktoren abgeschaltet werden. Nach der Abschaltung des Akw Fessenheim zählt das Land dann noch 56 Reaktoren in 18 Atomkraftwerken, die rund 70 Prozent des Stroms liefern. Das ist mit Abstand der höchste Anteil weltweit, bis 2035 soll er auf 50 Prozent sinken.

Fessenheim liegt in einem Erdbebengebiet, das 1977 ans Netz gegangene Kraftwerk ist zudem nur unzureichend gegen einen möglichen Flugzeugabsturz, Anschlag oder Überflutungen geschützt. Zudem kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Störfällen, die teilweise erst Monate später bekannt wurden.

Kritiker werfen der Bundesregierung vor, in Deutschland Atomkraftwerke abzuschalten und zugleich Atomstrom aus Frankreich zu importieren. In Deutschland sind noch sechs Atomkraftwerke am Netz: Grohnde und Emsland in Niedersachsen, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar 2 und Grundremmingen in Bayern sowie Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Gemäß Atomgesetz werden die drei letzten Reaktoren spätestens Ende 2022 abgeschaltet.

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