Schon sieben Todesopfer durch Coronavirus-Epidemie in Italien

Die Coronavirus-Epidemie in Norditalien breitet sich immer weiter aus Bild: AFP

Schon sieben Todesopfer durch Coronavirus-Epidemie in Italien

Die Coronavirus-Epidemie in Norditalien breitet sich immer weiter aus. Die Zahl der Todesopfer stieg am Montag auf sieben, der Zivilschutz vermeldete fast 230 Infektionsfälle.

Die Coronavirus-Epidemie in Norditalien breitet sich immer weiter aus. Die Zahl der Todesopfer stieg am Montag auf sieben, der Zivilschutz vermeldete fast 230 Infektionsfälle. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte unterdessen vor einer "möglichen Pandemie". Zwar habe die Epidemie in ihrem Ursprungsland China ihren Höhepunkt bereits überschritten, die plötzliche Zunahme der Infektionsfälle im Iran, in Italien und Südkorea sei aber "zutiefst besorgniserregend", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf.

Italien wurde binnen kurzer Zeit zum größten Infektionsherd des neuartigen Virus in Europa. Wie Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Montagabend bekanntgab, starben seit Freitag sieben Infizierte. Zuletzt starb ein 62-jähriger Mann aus dem Ort Castiglione d'Adda südlich von Mailand, der italienischen Medienberichten zufolge schon vor seiner Ansteckung mit dem Coronavirus an mehreren chronischen Krankheiten gelitten hatte und auf Dialyse angewiesen war.

Die Zahl der Infizierten liegt nach Angaben des Zivilschutzes bei 229. Die meisten Infektionen wurden in der norditalienischen Region Lombardei gemeldet, von dort stammen auch sechs der sieben Todesopfer.

Die italienische Regierung hat drastische Maßnahmen gegen das Virus ergriffen. Elf Ortschaften, zehn in der Lombardei und eine in Venetien, wurden abgeriegelt. Der Karneval in Venedig wurde abgebrochen, Fußballspiele und andere Großveranstaltungen wurden abgesagt. Schulen und Universitäten in allen betroffenen Regionen bleiben vorerst geschlossen. In Mailand, der Hauptstadt der Lombardei, waren am Montag auch die berühmte Scala und der Dom zu.

Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza berief für Dienstagnachmittag ein Krisentreffen mit seinen Kollegen aus den Nachbarländern ein. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte seine Teilnahme zu. Spahn schloss zugleich weitere Schutzmaßnahmen in Deutschland nicht aus, sollte sich das Virus hierzulande weiter ausbreiten. Das Robert-Koch-Institut testet bereits die im Zuge der Grippeüberwachung eingesandten Proben auf das Coronavirus.

Trotz der wachsenden Sorge vor dem Virus planen die 26 Staaten des Schengenraums nach Angaben der EU vorerst keine systematischen Grenzkontrollen. Die Grenzen zu Italien blieben zunächst weiter offen. Das Auswärtige Amt empfahl allen Italien-Reisenden nur, die Nachrichten zu verfolgen und sich in seiner Krisenvorsorgeliste einzutragen.

Allerdings führte die Viruskrise in Italien in der Nacht zum Montag zu stundenlangen Verspätungen im Zugverkehr: Nachdem bei zwei deutschen Reisenden in einem Eurocity aus Venedig nach München zwischenzeitlich der Verdacht auf den Erreger aufgekommen war, schlossen die österreichischen Behörden den Zugverkehr über die Brenner-Route. Der Verdacht bei den beiden Frauen bestätigte sich jedoch nicht, der Zugverkehr wurde wieder freigegeben. 

Auf Mauritius mussten dutzende Passagiere, die aus der Lombardei und Venetien stammten, stundenlang an Bord einer Alitalia-Maschine aus Rom bleiben. In Lyon im Südosten Frankreichs wurden die Passagiere eines Busses aus Mailand am Aussteigen gehindert, nachdem der Fahrer ähnliche Symptome wie bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus gezeigt hatte.

In China stieg die Zahl der Toten auf mehr als 2590, bislang wurden rund 77.000 Infektionen registriert. In der Volksrepublik erreichte die Epidemie nach Einschätzung der WHO zwischen dem 23. Januar und dem 2. Februar ihren Höhepunkt. Seitdem sei die Zahl der Neuansteckungen kontinuierlich zurückgegangen, sagte Tedros.

In Südkorea, dem größten Infektionsherd außerhalb Chinas, stieg die Zahl der Infektionen unterdessen auf mehr als 830. Afghanistan, Bahrain, Kuwait, Oman und der Irak bestätigten erste Infektionen. Sorge bereitet auch die Lage im Iran, wo die Zahl der Todesopfer nach offiziellen Angaben von acht auf zwölf gestiegen ist - das wäre angesichts von nur 64 Infizierten eine extrem hohe Sterblichkeitsrate. 

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