Kloputzen und Hausarrest in Spukhäusern bei Verstoß gegen Corona-Regeln

Container zum Hände-Desinfizieren vor einer Moschee Bild: AFP

Kloputzen und Hausarrest in Spukhäusern bei Verstoß gegen Corona-Regeln

Indonesische Privinzbehörden setzen auf kreative Strafen im Kampf gegen das Coronavirus: Sie stellen Regelbrecher zur Abschreckung an den Pranger, lassen sie Koranverse zitieren, Toiletten putzen oder in Spukhäusern einsperren.

Indonesiens Regierung setzt bei der Durchsetzung der Maßnahmen im Kampf gegen eine Ausbreitung des neuartigen Coronavirus vor allem auf die Armee - vielen Provinzbehörden aber reicht das nicht: Sie stellen Regelbrecher zur zusätzlichen Abschreckung an den Pranger, lassen sie zur Strafe Koranverse zitieren, Toiletten putzen oder in Spukhäusern einsperren.

Für den Kampf gegen die Pandemie hat der südostasiatische Inselstaat 340.000 Soldaten in 24 Städten eingesetzt, sie sollen die Einhaltung der Hygienevorschriften wie etwa das Tragen von Schutzmasken oder Händedesinfizieren überwachen. Die Provinzregierung von Bengkulu im Westen des Landes setzt darüberhinaus auf Abschreckung: Nach Polizeiangaben müssen Regelbrecher sich Schilder mit dem Versprechen umhängen, in Zukunft Masken zu tragen; ihre Fotos werden "zu ihrem eigenen Wohl und dem ihrer Familien" in Online-Netzwerken veröffentlicht.

In der nordindonesischen Provinz Aceh müssen muslimische Bewohner, die gegen die Vorschriften verstoßen, Passagen aus dem Koran rezitieren. Die kleine nicht-muslimische Minderheit sei davon aber ausgenommen, sagte eine Sprecherin der Lokalregierung. "Sie werden lediglich verwarnt."

Einwohnern der Hauptstadt Jakarta droht seit Mai, bei Verstößen gegen die Coronaregeln zu Putzdiensten in öffentlichen Gebäuden herangezogen zu werden. Dabei müssen sie Westen tragen, die sie als Regelbrecher kennzeichnen. 

In einer Region der Hauptinsel Java wiederum setzen Behörden den weit verbreiteten Glauben an übernatürliche Mächte für ihren kreativen Kampf gegen Corona ein. Dort wurden Regelbrecher auch schonmal in verlassenen Häusern festgesetzt, von denen es hieß, dass es dort spuke.

Indonesien hat bisher 24.000 Coronainfektionen und 1.496 Todesfälle registriert. Forscher gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegt: Das Land hat bei mehr als 260 Millionen Einwohnern eine der niedrigsten Testraten weltweit. 

Comments

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.