Umstrittenes Kohlekraftwerk Datteln IV geht von Protesten begleitet in Betrieb

Greenpeace-Protest gegen Datteln IV Bild: AFP

Umstrittenes Kohlekraftwerk Datteln IV geht von Protesten begleitet in Betrieb

Begleitet von Protesten von Klimaschützern wird am Samstag das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln IV kommerziell in Betrieb genommen.

Begleitet von Protesten von Klimaschützern ist am Samstag das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln IV ans Netz gegangen. Insgesamt waren zehn Demonstrationen am Kraftwerk geplant, die ersten blieben laut Polizei friedlich. Bereits am frühen Morgen projizierte Greenpeace das Bild eines An- und Ausschalters auf den 180 Meter hohen Kühlturm des Kraftwerks und den Satz "Klimakrise - Made in Germany". Der Betreiber Uniper verweist hingegen darauf, dass Datteln IV  "eines der modernsten Kohlekraftwerke" sei.

Greenpeace-Energieexpertin Lisa Göldner kritisierte, Uniper nehme eine "gigantische CO2-Schleuder" in Betrieb. Knapp 82 Prozent des Stroms aus dem Kraftwerk verkaufe Uniper über langfristige Abnahmeverträge an die Deutsche Bahn und RWE. Da die Verträge zum Teil bereits 15 Jahre alt seien, seien die vereinbarten Festpreise für den Strom deutlich höher als heute marktüblich. Das Kraftwerk werde deshalb mit hoher Auslastung laufen, erwartet Göldner. Sie forderte den Stopp des Kraftwerks.

Göldner verwies auf die Kohlekommission, die 2019 für Datteln IV eine Verhandlungslösung vorgesehen hatte - "also eine Stilllegung gegen Entschädigung". Sie warf der Bundesregierung vor, auch in ihrem Entwurf für ein Kohleausstiegsgesetz mit dem Kompromiss der Kohlekommission zu brechen. 

Die Polizei Recklinghausen war mit einem Großaufgebot vor Ort. Nach ihren Angaben waren von 08.30 Uhr bis 16.00 Uhr insgesamt zehn Versammlungen am Kraftwerk geplant. Angemeldet waren 850 Teilnehmer. 

Das Kohlekraftwerk gilt seit Monaten als neues Symbol des Widerstands von Klimaaktivisten gegen die Kohleverstromung. Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock kritisierte am Samstag in der "Rheinischen Post", den Kohleausstieg einzuleiten und gleichzeitig ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen zu lassen, passe nicht zusammen. Sie warf der Bundesregierung "energiepolitisches Versagen" vor. Leidtragende seien nicht nur der Klimaschutz, sondern auch die Deutsche Bahn, "die nun zu vollkommen überteuerten Preisen diesen Kohlestrom abnehmen muss".

Der klimapolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Lorenz Gösta Beutin, kritisierte ebenfalls, es sei "kompletter Wahnsinn", die Klimakrise ausgerechnet durch ein neues Steinkohlekraftwerk zu befeuern, während gleichzeitig die erneuerbaren Energien durch Moratorien, absurde Abstandsregelungen und Solardeckel ausgebremst würden. Die Proteste gegen Datteln IV seien daher "legitim und wichtig". 

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