Zurückhaltung in anderen Bundesländern bei Bayerns Corona-Teststrategie

Markus Söder Bild: AFP

Zurückhaltung in anderen Bundesländern bei Bayerns Corona-Teststrategie

Das bayerische Konzept der für jeden kostenlosen Corona-Tests stößt in anderen Bundesländern überwiegend auf Zurückhaltung. Weder in Nordrhein-Westfalen noch in Baden-Württemberg wollen die Landesregierungen dem Konzept derzeit folgen.

Das bayerische Konzept der kostenlosen Corona-Tests für alle stößt in anderen Bundesländern überwiegend auf Zurückhaltung. Weder im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen noch in Bayerns Nachbarland Baden-Württemberg wollen die Landesregierungen dem am Dienstag beschlossenen bayerischen Konzept derzeit folgen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich zunächst offen für den bayerischen Weg, später distanzierte er sich aber von anlasslosen Massentests.

Die Landesregierung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beschloss die bereits am Wochenende angekündigte neue Teststrategie. Das Konzept stehe unter dem Motto "schneller, kostenlos und für jedermann", sagte der CSU-Vorsitzende. Jeder kann demnach jederzeit und auch wiederholt beim Arzt einen Corona-Test machen lassen. "Wer dauerhaft mehr lockert, muss umgekehrt auch mehr testen", sagte Söder. Testen sei Vorbeugung. Gerade jetzt zur Ferienzeit seien Tests für die Bürger auch eine Möglichkeit, sich nach einem Urlaub untersuchen zu lassen.

Söder verteidigte das Konzept gegen Kritik etwa von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der umfangreiches Testen ohne systematisches Vorgehen als nicht zielführend bezeichnet hatte. Söder sagte, es gebe klare Schritte. An erster Stelle stünden Verdachtsfälle, an zweiter Stelle dann umfassende Reihenuntersuchungen etwa von Ärzten oder Lehrern. Als Drittes komme nun das Testen für jedermann dazu. 

In der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstagsausgabe) äußerte Söder die Erwartung, dass diese Strategie "weit über Bayern hinaus" Wirkung habe. Die Kritik an seinem Vorgehen habe sich bereits bei der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz gezeigt. Diese Kritik sei aber nicht medizinisch begründet. "Der eigentliche Hintergrund ist etwas ganz anderes: Das sind die Kosten."

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wollte das bayerische Konzept nicht bewerten, aber auch nicht nachahmen. "Wir machen das in Nordrhein-Westfalen, was wir für richtig halten", sagte Laschet. 

Dagegen sagte Berlins Regierender Bürgermeister Müller Montagabend n-tv, wenn ein Bundesland so anfange und viele andere "schon eine Teststrategie haben, dann wird das eine Welle". Dann würden die Tests günstiger. Bald werde es für "viele Menschen ganz unproblematisch sein, sich testen lassen zu können". Berlin mache die Tests bislang schrittweise. "Ich glaube, wir werden auch sehr bald diesen bayerischen Weg einschlagen", sagte er.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtete jedoch, Müller habe seine Aussage relativiert und anlasslose Massentests gegenüber dem Sender ausgeschlossen. Symptom- und anlasslos testen lassen können sich bislang einige Mitarbeiter in Kitas und Schulen, wobei das im Sommer auf alle dort Beschäftigten und andere Bereiche ausgeweitet werden soll. 

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich skeptisch gegenüber dem bayerischen Vorstoß. "Ein einfacher einzelner Test alleine nützt gar nichts", sagte er dem MDR. Dies schaffe "tatsächlich auch falsche Sicherheitsgefühle", gab Ramelow zu bedenken.

Auch Baden-Württembergs Landesregierung distanzierte sich von Tests für alle Bürger. "Eine prophylaktische flächendeckende Testung ist nicht automatisch erfolgversprechend", erklärte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) anlässlich der Vorstellung einer erweiterten Teststrategie. Unter anderem sollen in dem Bundesland Mitarbeiter in Krankenhäusern und der Pflege regelmäßig getestet werden; die Tests sollen weiter nur gezielt stattfinden. 

Bayern lockerte parallel zum Beschluss der Teststrategie die Maskenpflicht für Veranstaltungen in Theatern, Konzerthäusern und Kinos. Die Maskenpflicht gilt nun nur noch, solange sich Besucher nicht an ihrem Platz befinden.

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