Warum Berlin den Krieg gegen die Spielhallen gewinnt

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Warum Berlin den Krieg gegen die Spielhallen gewinnt

In Berlin reduziert sich die Zahl der Spielotheken deutlich. Es handelt sich um einen weiteren Sieg, den das Bundesland gegen die lokale Glücksspielindustrie erzielte. Von den zahlreichen Spielotheken, die in den vergangenen Jahren in der Hauptstadt entstanden, dürfte nur ein kleiner Teil die kommenden Jahre überleben.

Komplexe Lage in Deutschland

In Deutschland gilt seit Jahren eine komplizierte und sich oft ändernde Gesetzeslage, die den Betrieb von Spielstätten wie Casinos, Spielhallen oder Spielbanken regelt. Die sich nach Art des Glücksspiel-Betriebes unterscheidenden Regularien gelten auch für das legale Wetten auf Pferderennbahnen. Die Betreiber von Wettbüros müssen sich gleichfalls an die Vorgaben des jeweiligen Glücksspielgesetzes halten. Zudem regelt diese Glücksspielgesetzgebung, die Sache der einzelnen Bundesländer ist, den Betrieb der staatlichen Lotterien.

Durch ihre gesetzlichen Vorgaben verbieten fast alle Bundesländer das Glücksspiel mit Echtgeld in den Online-Casinos. Wer in einem Online-Casino um Echtgeld spielt, verstößt daher gegen Vorgaben. Dennoch nutzten in den vergangenen Jahren zehntausende Personen aus der Bundesrepublik die Angebote von Online-Casinos. Glücksspiel-Experten gehen nun davon aus, dass die Anzahl der deutschen Online-Spieler weiter steigt, wenn die Zahl der lokalen Anbieter am Wohnort zurückgeht. 

Genehmigungen ausgelaufen

Die Berliner Morgenpost berichtet, dass der Rückgang aus einer offiziellen Untersuchung hervorgeht, in die Daten aus den zwölf Bezirken der Metropole einflossen. Dort wirkt die neue Gesetzgebung des Bundeslandes, die mehrfach verschärft wurde. Laut der Tageszeitung gab es im Jahr 2011 mehr als 600 Spielhallen in Berlin. Ab 2021 sollen es nur noch 120 sein, weil zuvor zahlreiche Genehmigungen auslaufen. Der Senat erwartete ursprünglich, dass sich die Anzahl dieser Spielstätten um etwa 50 Prozent reduziert. 

Nun sieht es so aus, als würde diese Erwartung deutlich übertroffen. Damit zeigt das Glücksspielgesetz, das im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders harte Bedingungen für den Betrieb enthält, die von Landespolitikern versprochene Wirkung. Durch diese Gesetzgebung, die ab 2016 erneut verschärft wurde, reduzierte sich beispielsweise die mögliche Öffnungszeit der Betriebe stark. Zugleich erhöhte sich der Mindestabstand zwischen den einzelnen Spielstätten, während die mögliche Anzahl der Glücksspielautomaten in den Lokalitäten verringert wurde. 

Gründe für die Gesetzgebung

Dass die Spielotheken für eine Reihe von Problemen verantwortlich sind, zwang die Politik zum Handeln. Viele Experten glauben, dass diese Betriebe dem lokalen Einzelhandel schaden. Außerdem würde sich die Anzahl von kriminellen Aktivitäten im direkten Umfeld der Spielstätten erhöhen. Diese dienen auch der Geldwäsche, wovon die organisierte Kriminalität der Stadt profitiert. Zudem wurde bekannt, dass einige Betreiber ihre Glücksspielmaschinen manipulieren würden.

Für großes Leid sorgt die steigende Anzahl der Personen, die eine Sucht nach dem Glücksspiel entwickeln. Die daraus entstehenden Geldprobleme treffen meist nicht nur die Spieler, sondern oftmals weitere Familienangehörige, die ohnehin in Angst vor der Armut leben. Insbesondere mit der Problematik der Glücksspielsucht erklärt sich das harte Vorgehen des Bundeslandes, in dessen Bezirken nur noch wenige Spielstätten verbleiben, die vor allem in Berlin-Mitte zu finden sind.

Furcht bei Herstellern

Nachdem Berlin im Kampf gegen das lokale Glücksspiel seine Ziele übertraf, fürchten die Hersteller von Glücksspielgeräten nun Folgen für ihre Unternehmen. Die gesamte Branche ist in großer Sorge. Sie kritisiert, dass der Ansatz in Berlin für einen rasanten Anstieg im Bereich des illegalen Glücksspiels verantwortlich sein könnte. Bislang ignorierte der Senat des Bundeslandes die besorgten Einschätzungen der Branche.

Nicht nur die Hersteller von Spielautomaten, sondern auch die Betreiber von Wettbüros fürchten die kommende Zeit, in der weitere Verschärfungen drohen, die schon in Arbeit sind. Wenn der Senat zustimmt, könnte sich die Anzahl von Sportwettenanbietern deutlich reduzieren. Gerade in den ärmeren Bezirken der Stadt gibt es derzeit zahllose Ladenlokale, die sich auf das Wetten im Sportbereich spezialisierten.

Fazit: Die Anzahl der Glücksspiel-Betriebe in Berlin reduziert sich stark. Viele Besucher wandern ins Netz ab und können dort frei aus den zahlreichen Angeboten der Online-Casinos auswählen. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Trend auch in den kommenden Jahren anhält.

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