Eisscholle des Forschungsschiffs

Die "Polarstern" in der Polarnacht an "ihrer" Eisscholle Bild: AFP

Eisscholle des Forschungsschiffs "Polarstern" nach zehn Monaten zerbrochen

Nach zehnmonatiger gemeinsamer Drift durch arktische Gewässer ist die Eisscholle des Forschungseisbrechers 'Polarstern' zerbrochen. Sie habe das Ende ihres Lebenszyklus erreicht und sich aufgelöst, teilte das Alfred-Wegener-Institut mit.

Nach etwa zehnmonatiger gemeinsamer Drift durch arktische Gewässer ist die Eisscholle des Forschungseisbrechers "Polarstern" zerbrochen. Sie habe am Donnerstag das Ende ihres Lebenszyklus erreicht und sich "unter lautem Knallen" in viele kleinere Einzelteile aufgelöst, teilte das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) am Freitag mit. Die "Polarstern" hatte sich im Oktober vorigen Jahres im Rahmen der großangelegten Mosaic-Forschungsmission an der Eisscholle festfrieren lassen.

Die Wissenschaftler des deutschen Forschungsschiffs hatten eine Forschungsstation auf der Eisscholle errichtet, um diese bei ihrer 1700 Kilometer langen Reise durch das Nordpolarmeer genau zu beobachten und zahlreiche weitere Erkenntnisse über Klima- und Umweltprozesse in der Arktis zu gewinnen. Das Ende der Scholle war laut AWI erwartet worden. Vor dem Zerbrechen habe die Crew der "Polarstern" das Forschungscamp "geordnet" wieder abgebaut.

Die Bruchstücke der Scholle befinden sich demnach nur noch fünf Kilometer von der Eiskante in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen entfernt. In den kommenden Tagen werden sie diese erreichen, in den offenen Nordatlantik hinaustreiben und dort schmelzen. Dies entspricht dem natürlichen Kreislauf. In der Arktis erreicht die jährliche sommerliche Eisschmelze demnächst ihren Höhepunkt, bevor die Temperaturen wieder zu sinken beginnen.

Das Ende "ihrer" Eisscholle kommentierten die Wissenschaftler der Mosaic-Expedition mit fast sentimentalen Worten. "In den vielen Monaten ist die Scholle für uns ein Zuhause geworden, das wir immer in Erinnerung behalten werden", erklärte Expeditionsleiter Markus Rex vom AWI. "Nun tritt sie ihren letzten Weg an und wird wieder zu Wasser." Es sei nun an der Zeit, "Abschied zu nehmen".

Die Eisschollen bilden sich vor der sibirischen Küste laufend neu und treiben allmählich durch die Polargewässer über den Nordpol hinweg, um sich wieder aufzulösen. Untersuchungen ergaben, dass die Scholle der "Polarstern" vor mehr als eineinhalb Jahren im Dezember 2018 vor den Neusibirischen Inseln entstand. Die Crew der Mosaic-Expedition hatte sie nach einer aufwändigen Suche als idealen Standort zum Aufbau eines Forschungscamps ausgesucht.

Die "Polarstern" wird dem AWI zufolge noch für einige Tage in der Nähe der Eiskante in der Framstraße bleiben und sich dann auf den Weg nach Norden in Richtung Nordpol machen, wo sie während des letzten Abschnitts der einjährigen Mosaic-Expedition den Beginn der Gefrierphase am Ende des arktischen Sommers begleiten wird. Dies sei das "letzte noch fehlende Puzzlestück im Jahreszyklus des arktischen Meereises", berichtete Expeditionsleiter Rex.

Mosaic soll neue Erkenntnisse über die komplexen Umweltprozesse in der Region in bislang unbekannter Detailtiefe liefern. Sie gilt als das bislang aufwändigste und größte Forschungsvorhaben, das in der Arktis bisher gestartet wurde. Beteiligt sind Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern, die Teams auf der "Polarstern" wurden mehrfach ausgetauscht. Die Ergebnisse sollen etwa dabei helfen, Klimamodelle zu verbessern.

Vor dem neuerlichen Vorstoß des Forschungseisbrechers nach Norden erfolgt noch ein letzter Wechsel der Besatzung. Die neue Crew werde in einigen Tagen mit einem russischen Forschungseisbrecher bei der "Polarstern" eintreffen. Dieser bringt auch noch Vorräte.

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