Dutzende Tote und tausende Verletzte bei Explosionen in Beirut

Zerstörtes Silo im Hafen von Beirut Bild: AFP

Dutzende Tote und tausende Verletzte bei Explosionen in Beirut

In der libanesischen Hauptstadt sind bei zwei gewaltigen Explosionen am Dienstag dutzende Menschen getötet und tausende verletzt worden. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, lag die vorläufige Zahl der Toten bei mindestens 73, die der Verletzten bei 3700.

Bei zwei gewaltigen Explosionen in der libanesischen Hauptstadt Beirut sind am Dienstag dutzende Menschen getötet und tausende verletzt worden. Das libanesische Gesundheitsministerium gab die vorläufige Zahl der Toten mit 73 an, die der Verletzten mit 3700. Nach Angaben von Ministerpräsident Hasan Diab waren 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, die jahrelang in einem Lagerhaus am Hafen untergebracht waren, die Ursache für die verheerenden Detonationen.

Über der gesamten Hafengegend lag nach den Explosionen eine riesige Rauchwolke. Ganze Straßenzüge um den Hafen wurden verwüstet. Auf Bildern waren unter Trümmern eingeklemmte Menschen zu sehen, viele von ihnen waren blutüberströmt. In den Straßen standen ausgebrannte Autos, viele mit aufgeblasenen Airbags. Noch Stunden später kreisten Hubschrauber über der Gegend, um die Flammen zu löschen.  

Die Krankenhäuser seien mit den vielen Verletzten komplett überlastet, sagte Gesundheitsminister Hamad Hassan. "Es ist eine Katastrophe im wahrsten Sinne des Wortes", sagte er beim Besuch eines Krankenhauses. Der Oberste Verteidigungsrat des Landes erklärte die Stadt am Abend nach einer Dringlichkeitssitzung zur "Katastrophenzone". 

"Es liegen Leichen auf dem Boden. Krankenwagen sind immer noch dabei, die Toten zu bergen", berichtete ein Soldat am Hafen der Nachrichtenagentur AFP. Die Explosionen waren im gesamten Land zu hören - sowie im 240 Kilometer entfernten Nikosia auf der Mittelmeerinsel Zypern. 

"Alle Gebäude hier in der Gegend sind eingestürzt", berichtete Makruhie Jerganian, die seit Jahrzehnten in der Nähe des Hafens wohnt. "Ich habe vieles erlebt, aber so etwas noch nie", fügte die pensionierte Lehrerin, die auch den Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 in dem arabischen Land miterlebte, hinzu.

Regierungschef Diab kündigte an, die Verantwortlichen für die Katastrophe "zur Rechenschaft" zu ziehen. In einer Fernsehansprache bat er zudem alle befreundeten Staaten um Hilfe. 

Als Grund für die Explosion nannte der Regierungschef 2750 Tonnen Ammoniumnitrat. Das Material, das auch zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden kann, sei seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Lager im Hafen von Beirut gelagert worden, sagte Diab am Abend.

Zuvor hatte Sicherheitschef Abbas Ibrahim gesagt, dass es sich um schon "vor Jahren konfisziertes explosives Material" gehandelt haben könnte. 

Unter den Toten ist nach Angaben der Regierung in Canberra auch ein australischer Staatsbürger. Mitarbeiter der deutschen Botschaft befinden sich laut dem Auswärtigen Amt unter den Verletzen. Das Gebäude, in dem sich die Botschaft befindet, wurde demnach beschädigt. Angesichts der starken Schäden im Stadtgebiet schließt das Auswärtige Amt nicht aus, dass noch weitere deutsche Staatsangehörige unter den Todesopfern und Verletzten sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Libanon Unterstützung zu. Sie sprach den Angehörigen der Getöteten ihr Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten "eine schnelle Genesung". Weitere Hilfszusagen kamen aus aller Welt, darunter auch von Israel und dem Iran.

Durch die Detonationen wurde auch ein Schiff der Vereinten Nationen beschädigt: Blauhelmsoldaten der UN-Mission im Libanon (UNIFIL) seien verletzt worden, einige von ihnen schwer, hieß es in einer UN-Erklärung. Die verletzten Seeleute wurden demnach in umliegende Krankenhäuser gebracht. Zur Nationalität der Opfer machten die UN zunächst keine Angaben.

Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer Abwärtsspirale: Das Land ist von einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seit Jahrzehnten betroffen, die fast die Hälfte der Bevölkerung in Armut zurückgelassen hat. Zudem bekommt es die Folgen der Corona-Krise zu spüren. 

Comments

Bitte beachten Sie vor Ihrer Eingabe unbedingt unseren Datenschutzhinweis.