Erneut heftiger Streit zwischen Ankara und Athen um Gasbohrungen im Mittelmeer

Türkisches Erkundungsschiff "Oruc Reis" Bild: AFP

Erneut heftiger Streit zwischen Ankara und Athen um Gasbohrungen im Mittelmeer

Der Streit zwischen Griechenland und der Türkei um Gas- und Ölbohrungen im östlichen Mittelmeer droht erneut zu eskalieren. Athen forderte eine Dringlichkeitssitzung der EU-Außenminister.

Der Streit zwischen Griechenland und der Türkei um Gas- und Ölbohrungen im östlichen Mittelmeer spitzt sich erneut zu. Griechenland forderte am Dienstag eine Dringlichkeitssitzung der EU-Außenminister, nachdem die Türkei ein Erkundungsschiff vor eine griechische Insel entsandt hatte. Griechenland sei bereit, seinen Hoheitsbereich "zu verteidigen", warnte Außenminister Nikos Dendias. Er forderte den sofortigen Rückzug des von türkischen Marineschiffen begleiteten Erkundungsschiffs "Oruc Reis" aus griechischen Gewässern.

Er habe eine Dringlichkeitssitzung der EU-Außenminister beantragt, um über die "zunehmenden Provokationen und Vergehen" der Türkei zu sprechen, sagte Dendias. Ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell zeigte sich zutiefst besorgt über die erneute Zuspitzung. Es müsse alles getan werden, die Spannungen vor Ort abzubauen und die Eskalationsspirale zu stoppen. Der Dialog zwischen beiden Seiten müsse wieder in Gang kommen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu betonte derweil, sein Land wolle die Erkundungen im östlichen Mittelmeer ausbauen und werde seine "Rechte" in der Region kompromisslos verteidigen. Ab Ende August werde Ankara Bohrlizenzen für neue Standorte im "westlichen Teil unseres Kontinentalschelfs" vergeben. "Wir werden alle Arten von seismischen Forschungen und Bohraktivitäten vollführen. Unsere Entschlossenheit ist total", sagte Cavusoglu vor Journalisten.

Ankara hatte die "Oruc Reis" am Montag zur griechischen Insel Katellorizo im östlichen Mittelmeer entsandt, um dort Öl- und Gasvorkommen zu erkunden. GPS-Daten zeigten das Erkundungsschiff am Dienstag begleitet von türkischen Marineschiffen südöstlich von Kreta, in der Nähe kreuzten griechische Kriegsschiffe.

Griechenland sieht die Erkundungen in seinen Hoheitsgewässern als einen Verstoß gegen seine Souveränität. Eine ähnliche Krise hatte es bereits im vergangenen Monat gegeben. Die Türkei hatte damals das Erkundungsschiff schließlich wieder abgezogen, um Gespräche mit Griechenland und der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu führen.

Die Türkei fühlt sich nun durch ein in der vergangenen Woche geschlossenes Abkommen zwischen Griechenland und Ägypten provoziert. Die beiden Länder hatten die Errichtung einer ausschließlichen Wirtschaftszone im Mittelmeer verabredet, die nur von ihnen genutzt werden darf. Die Türkei erklärte das Abkommen für "null und nichtig".

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, auch vor der Küste Zyperns, gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die Republik Zypern als auch die Türkei und Griechenland erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete. 

Die Regierung in Ankara versucht, Fakten zu schaffen, indem sie durch ein umstrittenes Seeabkommen mit Libyen die Grenzen ihres Seegebiets im östlichen Mittelmeer erheblich ausweiten will. Dieses Abkommen wird  von Ägypten, Zypern und Griechenland nicht anerkannt.

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