UN: Hinweise auf Kriegsverbrechen in Syrien durch Türkei-treue Milizen

Mit der Türkei verbündete Miliz bei Afrin Bild: AFP

UN: Hinweise auf Kriegsverbrechen in Syrien durch Türkei-treue Milizen

Mit der Türkei verbündete Milizen im Norden Syriens haben nach Angaben der UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet möglicherweise Kriegsverbrechen begangen.

Mit der Türkei verbündete Milizen im Norden Syriens haben nach Angaben der UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet möglicherweise schwere Kriegsverbrechen begangen. In den vergangenen Monaten habe das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) "ein alarmierendes Muster schwerwiegender Verstöße" festgestellt und eine Zunahme von Tötungen, Entführungen, Menschenschmuggel, Beschlagnahmungen von Land und Eigentum sowie Zwangsräumungen dokumentiert, teilte die UN-Behörde am Freitag mit. 

Der Mitteilung zufolge hätten die mit der Türkei verbündeten Milizen auch Häuser, Land und Eigentum ohne ersichtlichen militärische Notwendigkeit geplündert oder beschlagnahmt. Darüber hinaus verursachten zunehmende Machtkämpfe zwischen diesen Milizen zivile Opfer und Schäden an der zivilen Infrastruktur. 

Die USA hatten Ende 2019 den Abzug ihrer Truppen aus Nordsyrien angeordnet, die dort bis dahin die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) unterstützten. Die Türkei startete daraufhin mit verbündeten, überwiegend islamistischen syrischen Milizen eine Offensive gegen die YPG, die zur Eroberung eines 120 Kilometer langen Grenzstreifens zwischen Tal Abjad und Ras al-Ain führte. Seither werden in dem Gebiet immer wieder Bombenanschläge verübt.

Nach Angaben des OHCHR sind zahlreiche Entführungen und das Verschwinden von Zivilisten dokumentiert, darunter Frauen und Kinder. Mindestens 116 Zivilisten seien außerdem seit Anfang des Jahres bei Explosionen von Sprengfallen oder Munitionsrückständen getötet und mindestens 463 verletzt worden. 

"Ich fordere die Türkei dringend auf, unverzüglich eine unparteiische, transparente und unabhängige Untersuchung der von uns überprüften Vorfälle einzuleiten", sagte Bachelet. Ankara müsse jene zur Rechenschaft ziehen, die für mögliche Verletzungen des Völkerrechts bis hin zu Kriegsverbrechen verantwortlich seien. Dies gelte umso mehr, da manche der Entführten Berichten zufolge durch bewaffnete Milizen von Syrien aus in die Türkei gebracht worden seien.

In dem seit dem Jahr 2011 andauernden Krieg in Syrien sind bereits mehr als 380.000 Menschen getötet worden. Millionen von Menschen wurden in die Flucht getrieben.