Nawalny auf dem Weg der Besserung - Foto zeigt ihn auf einer Treppe

Das von Nawalny auf Instagram gestellte Foto Bild: AFP

Nawalny auf dem Weg der Besserung - Foto zeigt ihn auf einer Treppe

Rund einen Monat nach dem Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny schreitet seine Genesung im Berliner Universitätsklinik Charité langsam voran. Es gehe ihm immer besser, 'aber der Weg ist noch lang', erklärte der 44-Jährige.

Einen Monat nach dem Nowitschok-Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny schreitet dessen Genesung im Berliner Universitätsklinik Charité langsam voran. Es gehe ihm immer besser, "aber der Weg ist noch lang", erklärte der 44-Jährige am Samstag in einem Eintrag im Online-Dienst Instagram. Dazu wurde ein Foto gepostet, das zeigt, wie er eine Treppe hinuntergeht. Ein an der Erfindung des Nervenkampfstoffes beteiligter russischer Wissenschaftler entschuldigte sich unterdessen bei Nawalny.

Zwar könne er immer noch nicht selbstständig ein Telefon bedienen und wenn er trinke, "wird das jedes Mal zu einem Spektakel", erklärt Nawalny in dem Eintrag. Die Besserung sei aber deutlich, schließlich habe er vor kurzem noch Menschen nicht erkannt und Sprechen habe ihm große Probleme bereitet.

"Jetzt bin ich ein Typ, dessen Beine zittern, wenn er die Treppe nimmt", erklärte Nawalny weiter. Aber immerhin erkenne er die Treppe. "Vorher hätte ich dumm darauf gestarrt." Jetzt wisse er, dass er sich besser einen Aufzug suchen sollte, scherzte der Russe. Er dankte den Medizinern, dass er "alle Chancen" habe, bald wieder eigenständig auf Instagram posten zu können.

Der Chemiker Wil Mirsajanow, der Anfang der 90er-Jahre die Entwicklung von Nowitschok in der Sowjetunion öffentlich gemacht hatte, entschuldigte sich für die Entwicklung des Giftes. "Ich entschuldige mich zutiefst bei Nawalny für die Tatsache, dass ich mich an diesem kriminellen Geschäft beteiligt und diese Substanz entwickelt habe, mit der er vergiftet wurde", sagte er am Samstag dem russischen Sender TV Rain.  

Der russische Wissenschaftler, der heute in den USA lebt, schätzte, dass sich Nawalny innerhalb "fast eines Jahres" von der Vergiftung erholen könne. "Nawalny muss Geduld haben, am Ende sollte er aber wieder gesund werden", sagte Mirsajanow. Er fügte hinzu, dass Nawalny das Gift wahrscheinlich mit dem Mund aufgenommen habe, da offenbar niemand sonst aus dem Umfeld des Kreml-Kritikers mit dem Kampfmittel in Berührung gekommen sei.

Der Wissenschaftler Leonid Rink, der laut russischen Medienberichten ebenfalls an der Entwicklung beteiligt war, schloss hingegen eine Vergiftung mit Nowitschok im Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti aus. Nawalny hätte "nicht überlebt, wenn es Nowitschok gewesen wäre", sagte Rink. Außerdem warf er Mirsajanow vor, keine Kentnisse über die "biologischen Auswirkungen" von Nowitschok haben zu können.

Nawalny war am 20. August auf einem Flug vom sibirischen Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Zunächst wurde der Gegner von Staatschef Wladimir Putin nach einer Notlandung in einem Krankenhaus in Omsk behandelt, zwei Tage später wurde er auf Drängen seiner Familie und seiner Unterstützer zur Behandlung in die Berliner Universitätsklinik Charité gebracht.

Nach Angaben der Bundesregierung wurde der Oppositionelle "zweifelsfrei" mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet, die in der früheren Sowjetunion entwickelt worden war.

Moskau weist den Verdacht vehement zurück, staatliche russische Stellen könnten Nawalny gezielt vergiftet haben. Nawalnys Stabschef Leonid Wolkow hält jedoch die Möglichkeit, dass jemand anderes als Putin selbst den Anschlag auf den Kreml-Kritiker angeordnet hat, für "überhaupt nicht" plausibel, wie er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte.

Wolkow verwies darauf, dass auf Nowitschok nur das russische Militär Zugriff habe. "Jemand muss also angeordnet haben, es an die Täter auszuhändigen", sagte er dem Bericht zufolge. Es gebe in Russland Befehlsketten, "und jede Person in dieser Kette musste sicher sein, dass die Weitergabe von ganz oben autorisiert ist". Eine Anordnung von ganz oben hieße im Fall Nawalny eine Anordnung "von Putin", sagte Wolkow weiter.