Bauern beklagen historische Krise ihrer Branche

Landwirt im nordrhein-westfälischen Lünen Bild: AFP

Bauern beklagen historische Krise ihrer Branche

Der Deutsche Bauernverband hat bei seiner Mitgliederversammlung ein düsteres Bild der aktuellen Lage in der Branche gezeichnet. Besonders die Schweinehaltung befinde sich in der 'größten Krise seit Jahrzehnten', sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Der Deutsche Bauernverband hat bei seiner Mitgliederversammlung ein düsteres Bild der aktuellen Lage in der Agrarbranche gezeichnet. Besonders die Schweinehaltung befinde sich in der "größten Krise seit Jahrzehnten", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied bei dem Treffen im thüringischen Erfurt. Auch in anderen Betriebsausrichtungen sei die Lage "mehr als angespannt". Die Verbraucherorganisation Foodwatch rief die Landwirte zu einem Systemwechsel auf.

Größtes Sorgenkind der Landwirte ist die Schweinezucht. Die coronabedingten Ausfälle bei Schlachtungen seien "verheerend", die Afrikanische Schweinepest (ASP) breite sich weiter aus, und die Schlacht- und Ferkelpreise befänden sich "im freien Fall", sagte Rukwied nach Angaben seines Verbands am Freitag vor den 500 Delegierten. Er forderte von der Politik eine "schnelle, wirksame und unbürokratische Unterstützung" für die Schweinehalter.

Schwierigkeiten gebe es aber auch in anderen Teilen des Agrarsektors. Gründe dafür seien Trockenheit, der niedrige Milchpreis oder die Ausbreitung des Wolfs, sagte Rukwied. Er warnte auch vor wirtschaftlichen Folgen der Düngeverordnung oder des geplanten Aktionsprogramms Insektenschutz. Viele Betriebe würden dadurch "ins Aus" gedrängt.

Rukwied wurde am Freitag mit 81,6 Prozent der Delegiertenstimmen für vier weitere Jahre als Präsident des Bauernverbandes wiedergewählt. Der 59-Jährige hat dieses Amt bereits seit 2012 inne.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mahnte in einer digital an den Bauerntag übermittelten Rede dazu, in der aktuellen Lage "vorausschauend zu planen". Mit Blick auf die Krise in der Schweinezucht verwies Klöckner darauf, dass die drei größten Schlachtunternehmen fast 60 Prozent aller Schweine in Deutschland verarbeiten. "Das kann keiner kompensieren."

Zugleich stellte sie sich hinter die Nutztierhalter. "Ich sage es Ihnen ganz deutlich: Wir wollen, dass Tierhaltung in Deutschland bleibt, der Ausstieg aus der Tierhaltung ist für mich keine Option", sagte Klöckner. Sie werde es auch nicht zulassen, Themen wie den Insektenschutz allein bei den Bauern "abzuladen".

Die Verbraucherorganisation Foodwatch mahnte die Landwirte dagegen zu einer Kehrtwende. "Die Bauern selbst müssen das zerstörerische System infrage stellen, für das ihre eigene Lobby verantwortlich ist. Immer größer, schneller und billiger ist keine Lösung", sagte Foodwatch-Strategiedirektor Matthias Wolfschmidt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". 

Wolfschmidt forderte eine Abkehr von der Exportabhängigkeit in der Fleischproduktion. Aufgrund von Exportbeschränkung nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest unter Wildschweinen in Brandenburg war zuletzt der Schweinepreis in Deutschland abgestürzt. Wolfschmidt fragte, warum Deutschland "weiterhin Billigheimer der weltweiten Fleischproduktion sein muss". Er rief den Bauernverband auf, eine Vision von Tierhaltung auf höchstem Tier- und Umweltschutzniveau zu entwickeln. "Da brauchen auch die Hofnachfolger jetzt eine Perspektive."

Rukwied zufolge sind die Bauern "grundsätzlich zu Veränderungen bereit". Der Bauernverband unterstütze beispielsweise die Vorschläge der Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung in Deutschland. Doch noch sei völlig unklar, wie dieser Umbau finanziert werden solle. "Damit dürfen die Bauern nicht alleingelassen werden", forderte Rukwied.