Verpackungsabfall in Deutschland nimmt zu: 228 Kilogramm pro Kopf 2018

Plastikflaschen vor dem Recyceln Bild: AFP

Verpackungsabfall in Deutschland nimmt zu: 228 Kilogramm pro Kopf 2018

Der Verpackungsabfall in Deutschland nimmt zu: 18,9 Millionen Tonnen fielen im Jahr 2018 an - das waren fast 228 Kilogramm pro Bundesbürger und 0,7 Prozent mehr als 2017, wie das Umweltbundesamt (UBA) am Dienstag mitteilte.

Der Verpackungsabfall in Deutschland nimmt zu: 18,9 Millionen Tonnen fielen im Jahr 2018 an - das waren fast 228 Kilogramm pro Bundesbürger und 0,7 Prozent mehr als 2017, wie das Umweltbundesamt (UBA) am Dienstag mitteilte. Seit 2010 ist der Verpackungsverbrauch demnach um rund 18 Prozent gestiegen. Knapp die Hälfte des Abfalls verursachen Privatverbraucher. Politiker und die Deutsche Umwelthilfe forderten Abfallobergrenzen und verstärkte Mehrwegförderung.

"Verpackungen sollten vermieden werden, bevor sie überhaupt anfallen", erklärte UBA-Präsident Dirk Messner. "Mehrwegbecher beispielsweise für den Coffee-to-go müssen die Regel werden, aber auch wer Essen mitnimmt, sollte dies in Mehrwegbehältern tun können", forderte er. "Die Flut an Pizzakartons und Kaffeebechern in Mülleimern und Parks hätte so ein Ende."

"Bereits vor der Corona-Krise gab es in Deutschland jährlich 28.000 Tonnen Müll durch Einwegbecher für Heißgetränke sowie 155.000 Tonnen Müll durch Einweg-Essensbehälter", erklärte die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Neben der steuerlichen Besserstellung von Mehrwegflaschen und -verpackungen für Getränke und Essen sowie der Durchsetzung entsprechender Mehrwegquoten forderte die Organisation eine zusätzliche Abgabe auf Einwegprodukte. Außerdem müsse eine Verpackungsmenge von 120 Kilogramm pro Kopf im Jahr 2025 zum Ziel gemacht werden.

"Verbindliche Abfallvermeidungsziele bleiben Fehlanzeige", beklagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bettina Hoffmann. Auch sie sprach sich dafür aus, Mehrweglösungen stärker zu fördern - "und Pfandsysteme verbraucherfreundlicher zu machen".

Solche Forderungen sind in Deutschland nicht neu - und doch führten Wirtschaftswachstum sowie Konsumgewohnheiten laut UBA in den vergangenen Jahren zu mehr statt weniger Verpackungsabfall. Ein Beispiel sei der Trend zu kleineren und wiederverschließbaren Einwegverpackungen, Dosierhilfen "und generell aufwendigeren Verschlüssen". Das Bundesamt verwies zudem auf den vermehrten Online-Einkauf.

"Auch wenn Deutschland beim Recycling von Verpackungen weiterhin zu den Vorreitern gehört, gibt es noch Verbesserungspotential", erklärte das UBA weiter. 2018 wurden den Angaben zufolge 69 Prozent des deutschen Verpackungsabfalls wiederverwertet, der Rest wurde größtenteils verbrannt. Bei Stahl, Aluminium, Papier und Karton betrug die Recyclingquote etwa 90 Prozent; bei Kunststoffen hingegen nur 47 Prozent und bei Holz sogar nur 25 Prozent.

Das UBA verwies auf das seit 2019 geltende, neue Verpackungsgesetz, das unter anderem höhere Recyclingquoten für Kunststoffverpackungen in den dualen Systemen vorschreibt: Seit 2019 müssen dort demnach 58,5 Prozent solcher Verpackungen wiederverwertet werden, 2022 steigt die Pflichtquote auf 63 Prozent.

Hoffmann kritisierte, dass die Wirtschaft trotzdem noch oft "den einfachsten und billigsten Entsorgungsweg" wähle. Sie forderte die Bundesregierung auf, Unternehmen für die EU-Plastikabgabe zahlen zu lassen: Nur so "haben Hersteller und Handel einen Anreiz, auf Abfallvermeidung und recyclingfreundliches Verpackungsdesign zu setzen".

Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Judith Skudelny, erklärte dagegen, die Verpackungsindustrie gehe "bei der Entwicklung ressourcenschonender Verpackungen mit großen Schritten voran", während Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) "untätig" bleibe. Sie forderte mehr Technologieoffenheit im Verpackungsgesetz, beispielsweise für chemisches Recycling. "Wir brauchen jede Entwicklung und Innovation in der Recyclingbranche und können uns eine einspurige Technologieförderung nicht länger leisten", erklärte Skudelny.