Künstliches Gelenk: Wer gehen kann, kann auch Sport treiben

mp Braunschweig/Ulm - Am besten ist ein künstliches Gelenk geschützt, wenn trainierte Muskeln und straffe Bänder es umgeben. Schwimmen ist dafür eine besonders geeignete Sportart.nn(Link zum Bild: http://www.pixelio.de/media/635947) Rainer Sturm / pixelio.de

Künstliches Gelenk: Wer gehen kann, kann auch Sport treiben

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Die warmen Frühlingstage locken Radfahrer und Nordic Walker ins Freie. Menschen mit Kunstgelenken gehörten oft nicht dazu. Eine künstliche Hüfte oder ein neues Kniegelenk müssen aber nicht an sportlichen Aktivitäten hindern. Denn Studien zeigen, dass Sportarten wie Radfahren und Schwimmen sich mit Kunstgelenken sehr gut praktizieren lassen, so die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. (AE). Sie rät Patienten mit künstlichen Gelenken regelmäßig Sport zu treiben. Wer gehen kann, kann auch Sport treiben - so die Devise von Orthopäden und Unfallchirurgen. Allerdings: In den ersten sechs Monaten nach der Operation müssen insbesondere die Patienten, die mit zementfreien implantierten Prothesen versorgt wurden, zurückhaltend sein.

"Der Knochen braucht die Zeit, um eine feste Verbindung zur Endoprothese aufzubauen", rät Professor Karl-Dieter Heller, Chefarzt an der Orthopädischen Klinik Braunschweig. Patienten empfiehlt er diese Zeit für Krankengymnastik und Muskelaufbautraining zu nutzen. Zunächst sei es sinnvoll, dass Menschen mit Kunstgelenken jene Sportarten vorziehen, die sie aus früheren Zeiten bereits kennen. "Routine und Erfahrung mit vertrauten Bewegungsabläufen verhindern, dass es zu Verletzungen kommt und oft sind das auch die Sportarten, in denen sich Patienten sicher und wohl fühlen", so Heller. Körperliches Training und Muskelaufbau hätten einen sehr hohen Stellenwert, um dem alterungsbedingten Muskelabbau vorzubeugen. "Bewegungsmangel ist eine wichtige Ursache für chronische Erkrankungen, die auch den Knochen betreffen", bestätigt auch Professor Heiko Reichel, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU Ulm. Hinzu komme, dass mangelnde Fitness eine häufige Ursache für Stürze und Knochenbrüche ist. Schon Stolpern belaste die Kunstgelenke stärker als die meisten Sportarten, erklärt der Orthopäde: "Am besten ist das Kunstgelenk geschützt, wenn trainierte Muskeln und straffe Bänder es umgeben." Gut geeignet sind sogenannte "Low-Impact"-Sportarten, die das Kunstgelenk nicht durch plötzliche Stöße belasten. Hierzu gehören Wandern, Nordic Walking, Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren, Gymnastik, Rudern und Golf. Bedingt geeignet sind Tennis, Tischtennis, Kegeln, Bergwandern, alpiner Skilauf in Schontechnik und nur unter bestimmten Voraussetzungen leichtes Jogging.