Israel und Palästinenser setzen Luftangriffe mit unverminderter Härte fort

Trümmer des von Medien genutzen Gebäudes im Gazastreifen Bild: AFP

Israel und Palästinenser setzen Luftangriffe mit unverminderter Härte fort

Im eskalierten Nahost-Konflikt haben die israelische Armee und militante Palästinenser ihre Luftangriffe mit unverminderter Härte fortgesetzt. Dabei wurden unter anderem zehn Mitglieder einer einzigen Familie durch einen israelischen Angriff getötet.

Im eskalierten Nahost-Konflikt haben die israelische Armee und militante Palästinenser ihre Luftangriffe mit unverminderter Härte fortgesetzt. Dabei wurden am Samstag unter anderem zehn Mitglieder einer einzigen Familie durch einen israelischen Angriff im Gazastreifen getötet, unter ihnen acht Kinder. Auch wurde ein von internationalen Medien genutztes Gebäude in dem Küstengebiet durch israelische Raketen zerstört.

Die zehn Mitglieder derselben Familie wurden bei einem Angriff im Westen des Gazastreifens getötet, wie Ärzte mitteilten. Die acht Kinder und zwei Frauen starben demnach, als ein dreistöckiges Gebäude im Flüchtlingslager Al-Schati einstürzte. "Sie haben keine Waffen getragen, sie haben keine Raketen abgefeuert", beklagte Mohammed Al Hadidi den Tod seiner vier Kinder bei dem Angriff. Aus dem Palästinensergebiet wurde unterdessen der Raketenbeschuss Israels fortgesetzt. 

Den Angriff auf ein von Medien genutztes Gebäude im Gazastreifen begründete die israelische Armee damit, dass sich darin auch militärische Anlagen des Geheimdienstes der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas befunden hätten. Der Eigentümer des Hauses war nach eigenen Angaben eine Stunde vor dem Angriff vom israelischen Geheimdienst gewarnt und zur Evakuierung des Gebäudes aufgefordert worden.

In dem in Trümmern gelegten 13-stöckigen Hochhaus hatten die US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) sowie der katarische Fernsehsender Al-Jazeera Büros. US-Präsident Joe Biden zeigte sich nach dem Angriff in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu besorgt über "die Sicherheit von Journalisten" in dem Konflikt, wie das Weiße Haus mitteilte. 

"Wir haben den Israelis direkt gesagt, dass die Gewährleistung der Sicherheit und des Schutzes von Journalisten und unabhängigen Medien eine vorrangige Pflicht ist", erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki. Netanjahu betonte seinerseits nach Angaben seines Büros in dem Telefonat, dass seine Regierung "alles" tue, um in dem Konflikt Schaden für Unbeteiligte zu vermeiden. 

Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern ist in den vergangenen Tagen in einem Maße eskaliert wie seit seit Jahren nicht mehr. Die israelische Armee griff seit Montag rund 800 Ziele im Gazastreifen an. Dabei wurden nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden insgesamt mindestens 145 Menschen getötet, darunter 41 Kinder. Weitere rund 1100 Menschen wurden bei den israelischen Angriffen im Gazastreifen verletzt.

Radikale Palästinenser schossen ihrerseits aus dem Küstenstreifen mindestens 2300 Raketen auf Israel ab. Dabei wurden zehn Menschen getötet, unter ihnen ein Kind und ein Soldat. Mehr als 560 weitere Israelis wurden durch die Raketenangriffe verletzt.

Biden sprach am Samstag auch erstmals seit seinem Amtsantritt vor vier Monaten mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. In dem Telefonat betonte der US-Präsident laut Weißem Haus, dass die Hamas damit aufhören müsse, Raketen auf israelisches Territorium abzufeuern. Abbas hat allerdings keinen direkten Einfluss auf die Hamas. Seine Fatah-Bewegung steht in einem Rivalitäts-Verhältnis zur Hamas. 

Der Nahost-Gesandte der US-Regierung, Hady Amr, wird sich voraussichtlich am Sonntag zu Gesprächen mit israelischen Regierungsvertretern und im Anschluss mit palästinensischen Verantwortlichen treffen.

In ganz Europa fanden am Samstag Solidaritätsdemonstrationen für die Palästinenser statt, darunter in Berlin und anderen deutschen Städten. Dabei kam es im Berliner Bezirk Neukölln zu Ausschreitungen, als die Polizei die Demonstration wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen auflöste. In Paris setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein, um ein bereits im Vorfeld erlassenes Verbot der pro-palästinensischen Versammlung durchzusetzen. 

Anlass der Proteste war neben der aktuellen Gewalteskalation in Nahost der Nakba-Tag, an dem die Palästinenser der Vertreibung von hunderttausenden Menschen infolge der israelischen Staatsgründung 1948 gedenken.