Viele deutsche Soldaten bei Selbstmordanschlag in Mali verletzt

Deutsche Soldaten in Mali Bild: AFP

Viele deutsche Soldaten bei Selbstmordanschlag in Mali verletzt

Bei einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im westafrikanischen Krisenland Mali sind am Freitag 15 deutsche Soldaten verletzt worden. Unter ihnen seien nach ersten Erkenntnissen neun Schwerverletzte, von denen drei sehr schwer verletzt seien, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Kreisen des Verteidigungsausschusses.

Bei einem Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr im westafrikanischen Krisenland Mali sind am Freitag 15 deutsche Soldaten verletzt worden. Unter ihnen seien nach ersten Erkenntnissen neun Schwerverletzte, von denen drei sehr schwer verletzt seien, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Kreisen des Verteidigungsausschusses in Berlin. Die Bundeswehr bestätigte einen "Selbstmordanschlag auf Kräfte des deutschen Einsatzkontingents" rund 180 Kilometer nördöstlich von Gao, bei dem neben deutschen Soldaten auch ein UN-Soldat verletzt worden sei. 

Die Luftwaffe sei zur Rettung der Verletzten nach Mali geschickt worden, erfuhr AFP aus den Kreisen. In einer ersten Einschätzung war zunächst noch von zwölf Schwerverletzten die Rede gewesen. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) werde sich demnach im Laufe des Tages zu dem Vorfall äußern, hieß es aus dem Ausschuss.  

Der Anschlag ereignete sich laut Einsatzführungskommando der Bundeswehr nordöstlich der Stadt Gao. Die Soldaten würden "aktuell medizinisch behandelt" und die Angehörigen derzeit informiert, heißt es in einem vertraulichen Lagebericht des Einsatzführungskommandos für den Verteidigungsausschuss, der AFP vorliegt. 

In Gao unterhält die Bundeswehr ein Feldlager. Die Bundeswehr-Soldaten leisten dort im Rahmen der UN-Friedensmission Minusma einen Beitrag zur Stabilisierung Malis. 

Minusma bestätigte einen Autobombenanschlag mit 15 verletzten Blauhelmsoldaten nahe des Dorfes Ichagara. Zu ihrer Nationalität äußerte sie sich nicht. Die Soldaten seien am Vormittag in einer provisorischen Einsatzbasis in der Ortschaft Tarkint in der Region Gao "zum Ziel eines Anschlags" geworden, hieß es in einer Twitter-Botschaft der Minusma. 

Ein Sicherheitsbeamter vor Ort in Mali sagte AFP, dass das am Freitag angegegriffene Kontingent erst am Vortag seinen Stützpunkt aufgebaut hatte, um ein durch eine Landmine beschädigtes UN-Fahrzeug zu sichern.

Erst am Montag waren sechs Soldaten der französischen Anti-Terror-Einheit Barkhane bei einem Bombenanschlag verletzt worden. Bei dem Attentat nahe der zentralmalischen Stadt Gossi waren auch vier Zivilisten verletzt worden. Deutschland beteiligt sich mit bis zu 1700 Bundeswehrsoldaten an Ausbildungs- und Stabilisierungsmissionen der EU und der UNO in Mali.

Der Anschlag sei "erschütternd", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriela Heinrich. Der Vorfall erinnere uns daran, welche Risiken in Mali für die Truppen bestünden. Gleichwohl sei Minusma "ein wichtiger Einsatz zur Stabilisierung Malis".

Der Angriff verdeutliche "die fragile Sicherheitslage im Land", erklärte auch der entwicklungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Christoph Hoffmann. Er plädierte für den Einsatz von bewaffneten Drohnen, durch die Soldaten besser geschützt werden könnten. "Der gesamte Einsatz muss dringend evaluiert und neubewertet werden", sagte der außenpolitische Specher der FDP, Bijan Djir-Sarai. 

Linken-Politiker Tobias Pflüger nannte den Einsatz gegenüber "t-online" "gefährlich und falsch" und bekräftigte die Forderung seiner Partei nach einem Ende des Einsatzes. 

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, André Wüstner, drängt auf mehr Schutz der Soldaten. Der Einsatz sei "brandgefährlich", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Voraussetzung für die Fortsetzung des Einsatzes sei die Gewährleistung der Rettungskette und der Schutz der Truppen durch bewaffnete Drohnen.

Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von zunehmender Instabilität geprägt. Die meist islamistisch motivierte Gewalt hat in den vergangenen Jahren auch die benachbarten Länder in der Sahel-Zone erreicht. Tausende Soldaten und Zivilisten wurden in der Krisenregion getötet, Hunderttausende mussten aus ihrer Heimat fliehen.

Dschihadisten und regionale Milizen griffen zuletzt vermehrt auch internationale Truppen an. Sie machen sich eine mangelnde Präsenz des Staates zu nutze. Es wird befürchtet, dass sie sich weiter in rechtsfreien Räumen ausbreiten - vor allem nachdem es in dem Staat im Mai zum zweiten Umsturz der Regierung binnen eines Jahres gekommen war.

mkü/pw