Präsident ruft Notstand im Süden Chiles aus

Protest in Santiago Bild: AFP

Präsident ruft Notstand im Süden Chiles aus

Nach Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Indigenen hat Präsident Sebastián Piñera den Notstand für den Süden Chiles ausgerufen.

Nach Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Indigenen in Chile hat Präsident Sebastián Piñera den Notstand für südliche Gebiete des Landes ausgerufen. Das Militär werde die Polizei in Teilen der Regionen Biobío und La Araucanía in den kommenden zwei Wochen unterstützen, kündigte der Staatschef am Dienstag (Ortszeit) an. Er habe die Entsendung von Soldaten angeordnet, um gegen "die schwerwiegende Störung der öffentlichen Ordnung" vorzugehen. 

In den genannten Gebieten sei es "wiederholt zu Gewalttaten im Zusammenhang mit Drogenhandel, Terrorismus und organisierter Kriminalität gekommen, die von bewaffneten Gruppen begangen wurden", sagte Piñera. In den südlichen Gebieten hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Brandanschläge und Zusammenstöße mit der Polizei gegeben. 

Der Notstand soll zunächst für zwei Wochen gelten. Die Entscheidung Piñeras erfolgte am 12. Oktober - dem Tag, an dem in ganz Lateinamerika an die "Entdeckung" Amerikas durch den Seefahrer Christoph Kolumbus erinnert wird. Insbesondere für viele Indigene steht der Seefahrer symbolisch für die gewaltsame Eroberung und Kolonisierung des Kontinents.

Der Gouverneur von La Araucanía, Luciano Rivas, begrüßte die Entsendung der Truppen. Es gebe eine "sehr ernste Sicherheitskrise" in der Region, sagte er dem Sender CNN Chile. Die Politikexpertin Lucía Dammert von der Universität Santiago kritisierte indessen die Entscheidung Piñeras. Der Truppeneinsatz könne den Konflikt sogar weiter verschärfen, warnte sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. 

Hinter den wiederholten Zusammenstößen sollen radikale Gruppen des indigenen Volks der Mapuche stecken. Die Mapuche fordern die Rückgabe des Landes, das sie als ihren angestammten Besitz betrachten, und mehr Autonomie vom chilenischen Staat. Sie stellen mit 1,7 Millionen Angehörigen die größte indigene Gruppe unter den rund 19 Millionen Einwohnern des südamerikanischen Landes dar.

Bei einer Demonstration für die Rechte der Indigenen waren am Sonntag in der Hauptstadt Santiago 17 Menschen verletzt und eine Frau getötet worden.