Washington wirft Russland Gefährdung der ISS durch Raketentest vor

Die Internationale Raumstation ISS Bild: AFP

Washington wirft Russland Gefährdung der ISS durch Raketentest vor

Washington hat Russland vorgeworfen, mit einem Anti-Satelliten-Raketentest die Internationale Raumstation ISS in Gefahr gebracht zu haben. Außenminister Blinken sprach von einem 'destruktiven' Test und warnte vor Schäden durch den entstandenen Weltraumschrott.

Die US-Regierung hat Russland vorgeworfen, mit einem Anti-Satelliten-Raketentest die Internationale Raumstation ISS in Gefahr gebracht zu haben. Russland habe "rücksichtslos" einen "destruktiven Test" mit einer Anti-Satelliten-Rakete vorgenommen und dabei einen eigenen Satelliten zerstört, erklärte US-Außenminister Antony Blinken am Montag. "Empört" über den "unverantwortlichen und destabilisierenden" Test zeigte sich auch Nasa-Chef Bill Nelson.

Laut Blinken wurden durch den "gefährlichen und verantwortungslosen" Test 1500 nachverfolgbare Weltraumtrümmer geschaffen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass dadurch "hunderttausende" kleinerer Fragmente entstünden. Der Außenminister warnte vor weiteren Schäden an Satelliten durch die Weltraumtrümmer und einer andauernden Gefahr für die ISS. 

Die US-Regierung war nach eigenen Angaben nicht vorab über den Test informiert worden. Blinken erklärte, über eine Reaktion werde Washington mit seinen Partnern beraten. 

Scharfe Kritik am Verhalten Russlands kam auch von Nasa-Chef Nelson. Es sei angesichts der langen russischen Raumfahrergeschichte "unvorstellbar", dass Russland neben US- und anderen internationalen Astronauten "auch seine eigenen Kosmonauten" sowie die Taikonauten auf der chinesischen Raumstation in Gefahr gebracht habe, erklärte er. 

Nach Angaben der Nasa wurden die sieben Astronauten an Bord der ISS - unter ihnen der Deutsche Matthias Maurer geweckt und aufgefordert, die Luken an der ISS zu schließen. Anschließend hätten sie sich für rund zwei Stunden in zwei an die Raumstation angedockte Raumfähren zurückgezogen. Die Raumkapseln vom Typ SpaceX Crew Dragon und Sojus können im Notfall zur Evakuierung genutzt werden.

Ziel des russischen Raketentests war dem auf Daten über Satelliten spezialisierten Unternehmen Seradata zufolge ein alter sowjetischer Satellit namens Cosmos 1408, der bereits seit Jahrzehnten nicht mehr funktioniert habe. 

Bei Antisatellitenwaffen handelt es sich um hochtechnologisierte Raketen, die nur wenige Staaten weltweit besitzen. Zuletzt hatte im Jahr 2019 Indien einen Test mit einer solchen Waffe vorgenommen und dabei hunderte Teile an Weltraumschrott produziert. Die USA und andere Mächte hatten den Test damals scharf kritisiert.

Der Harvard-Astronom Jonathan McDowell betonte, dass bereits jetzt zu viel Weltraumschrott existiere. "Absichtlich mehr davon zu erzeugen ist einfach unverzeihbar", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Nach seiner Einschätzung dürften die ersten Teile aus der durch den russischen Test erzeugten Wolke aus Weltraumschrott in einigen Monaten in die Erdatmosphäre eintreten. Bis der Schrott komplett verschwunden ist, könne es aber bis zu zehn Jahre dauern, sagte der Wissenschaftler. 

Eine Gefahr darstellen könnten die Trümmerteile für die mehr als 4500 Satelliten, die sich derzeit in der niedrigen Erdumlaufbahn befinden. 

Die Konkurrenz zwischen den Großmächten im Weltraum hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. "Sowohl China als auch Russland integrieren den Weltraum zunehmend in ihre militärischen Kapazitäten", sagte US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines, vergangene Woche in Washington. 

Trotz ihrer Spannungen in vielen anderen Bereichen kooperieren die USA und Russland seit dem Ende des Kalten Krieges eng in der Raumfahrt - vor allem auf der ISS.