Erstes Bild von Schwarzem Loch mitten in unserer Galaxie veröffentlicht

Das Schwarze Loch Sagittarius A* Bild: AFP

Erstes Bild von Schwarzem Loch mitten in unserer Galaxie veröffentlicht

Es sieht aus wie ein Donut, ist aber eine wissenschaftliche Sensation: Ein Team internationaler Astronomen hat das erste Bild des Schwarzen Lochs mitten in unserer Galaxie veröffentlicht.

Es sieht aus wie ein Donut, ist aber eine wissenschaftliche Sensation: Ein Team internationaler Astronomen hat das erste Bild des Schwarzen Lochs mitten in unserer Galaxie veröffentlicht. Bei dem Bild handelt es sich um den ersten direkten visuellen Beweis dieses Phänomens im Zentrum der Milchstraße, wie die Forscher des Projekts Event Horizon Telescope (EHT) am Donnerstag mitteilten. Das Sagittarius A* genannte supermassereiche Schwarze Loch ist 27.000 Lichtjahre von der Erde entfernt - und sieht auf dem Foto aus wie ein Donut.

"Unsere Entdeckung zeigt, dass es sich bei dem Objekt im galaktischen Zentrum tatsächlich um ein schwarzes Loch handelt", erklärte der Direktor des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie, Anton Zensus. Bei einer Pressekonferenz im bayerischen Garching fügte er hinzu: "Mission erfüllt? Ja. Aber es gibt noch so viel zu tun."

EHT-Forscher Geoffrey Bower von der Academia Sinica in Taiwan erklärte, die Anfertigung des Bildes mithilfe eines Netzwerks aus Hochleistungsteleskopen habe "unser Verständnis von dem, was ganz im Zentrum unserer Galaxie geschieht, verbessert". Das erste Bild dieses Phänomens im Zentrum der Milchstraße biete "neue Einblicke, wie diese riesigen Schwarzen Löcher mit ihrer Umgebung interagieren".

Schwarze Löcher haben eine so starke Gravitation, dass selbst Licht ihnen nicht entweichen kann. Da sie also einfach nur schwarz sind, können sie nur dank der sie umgebenden Gase sichtbar gemacht werden. Zum ersten Mal gelang das den Forschern des EHT-Projekts 2019 mit einem riesigen Schwarzen Loch in der rund 55 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Messier 87 (M87). 

Nun gelang ihnen dies auch bei dem kleineren und schwerer abzubildenden Schwarzen Loch inmitten unserer Galaxie. Es liegt von der Erde aus gesehen im Sternbild des Schützen und wurde daher nach der lateinischen Bezeichnung des Sternbildes Sagittarius A* genannt, kurz Sgr A*. Seine Existenz war seit 1974 vermutet worden, nachdem eine ungewöhnliche Quelle von Radiowellen im Zentrum unserer Galaxie ausgemacht worden war.

In den 90er Jahren gelang es, die Orbits der hellsten Sterne nahe dem Zentrum der Milchstraße zu kartografieren. Damit wurde die Präsenz eines supermassereichen kompakten Objektes dort bestätigt. Als einzige plausible Erklärung galt ein Schwarzes Loch - und nun gibt es dafür einen direkten visuellen Beweis.

Das Schwarze Loch selbst ist auf der Aufnahme zwar nicht zu sehen, weil es naturgemäß keine Strahlung aussendet. Zu sehen ist aber ein charakteristischer dunkler Fleck, der von einer hellen ringartigen Struktur umgeben ist. Das Schwarze Loch ähnelt damit einem riesigen, orangefarbenen Donut.

Thomas Krichbaum vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie hob am Donnerstag die Leistung des Event Horizon Telescope hervor. "Es kann drei Millionen Mal schärfer sehen als das menschliche Auge. Wenn man in einem Biergarten in München sitzt, könnte man die Gasbläschen in einem Bierglas in New York sehen."

An dem Beweis haben mehr als 300 Wissenschaftler aus 80 Ländern fünf Jahre lang gearbeitet. Sie setzten das nun vorliegende Bild aus mehreren Momentaufnahmen von Sagittarius A* zusammen.

Die Forschungsergebnisse bestätigten auch die Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie des Physikers Albert Einstein aus dem Jahr 1915 über Schwarze Löcher. "Wir waren verblüfft, wie gut die Größe des beobachteten Rings mit den Vorhersagen von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie übereinstimmt", erklärte EHT-Projektwissenschaftler Bower.

Max-Planck-Direktor Zensus fragte bei der Pressekonferenz in Garching, ob Einstein womöglich darüber "lächeln" würde, "dass hunderte Wissenschaftler ihn immer noch nicht widerlegt haben". "Ich glaube eher, er wäre verzückt über die experimentellen Möglichkeiten, die wir heute in diesem Feld haben."