UN-Bericht: Wandernde Tierarten akut  bedroht

Vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröte Bild: AFP

UN-Bericht: Wandernde Tierarten akut bedroht

Zugvögel, Wale und Meeresschildkröten: Laut einem aktuellen UN-Bericht sind wandernde Tierarten akut gefährdet. Als Gründe nennt der Bericht des UN-Umweltprogramms Unep die Zerstörung von Lebensräumen, insbesondere entlang der Wanderrouten, sowie Umweltverschmutzung und den Klimawandel.

Zugvögel, Wale und Meeresschildkröten: Laut einem aktuellen UN-Bericht sind wandernde Tierarten akut gefährdet. Dem am Montag veröffentlichen Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) zur Erhaltung wandernder Tierarten zufolge ist jede fünfte Tierart, die zu ihrem Erhalt weite Strecken zurücklegt, vom Aussterben bedroht. Bei 44 Prozent der wandernden Tierarten sind die Populationen demnach zurückgegangen. Als Gründe nennt der Bericht die Zerstörung von Lebensräumen insbesondere entlang der Wanderrouten sowie Umweltverschmutzung und den Klimawandel.

Für ihren ersten Bericht über den Zustand der wandernden Tierarten untersuchte das World Conservation Monitoring Centre der Unep weltweit insgesamt 1189 Arten, die unter die UN-Konvention zum Erhalt der wandernden wildlebenden Tierarten (CMS) fallen, darunter etwa Elefanten, Geparde und Haie. Laut dem Bericht nahm in den vergangenen drei Jahrzehnten die Gefährdung von 70 auf der CMS-Liste aufgeführten Arten zu, darunter der Steppenadler, der Schmutzgeier und das Wildkamel. Nur bei 14 Arten hat sich der Zustand demnach verbessert, darunter bei Blau- und Buckelwalen und Seeadlern. 

40 Prozent der 158 in der CMS gelisteten Säugetierarten sind dem Bericht zufolge weltweit bedroht. Der Bericht stellt außerdem fest, dass 399 wandernde Arten als bedroht oder fast bedroht eingestuft werden, aber noch nicht auf der CMS-Liste stehen, darunter Albatrosse, Grundhaie und Stachelrochen.

Die Ergebnisse zeigten auf, "dass nicht nachhaltige menschliche Aktivitäten die Zukunft wandernder Arten gefährden", erklärte Unep-Leiterin Inger Andersen. Zu den größten Bedrohungen gehören demnach die Landwirtschaft und die Fischerei. Während die Landwirtschaft wichtige Lebensräume zerstöre, sei der sogenannte Beifang durch die Fischerei die größte anhaltende Bedrohung für Wale.

Die Zerstörung des Lebensraums gelte als Hauptrisiko für wandernde Arten, erklärte Andersen. Für einige Arten habe der Bericht jedoch auch "absichtliche Tötung" durch Jagd oder Sport festgestellt. "Es gibt eine große Lücke, die wir jetzt identifiziert haben, die Maßnahmen erfordert", sagte die Unep-Leiterin.

Die Zahlen seien "ein alarmierender Weckruf", erklärte der Leiter Artenschutz bei der Umweltorganisation WWF Deutschland, Arnulf Köhncke. Straßen und Bauwerke wie Dämme oder Kraftwerke versperrten den Tieren zunehmend ihre lebensnotwendigen Wanderrouten. "Sie erreichen deshalb ihre Brutgebiete, Nahrungsgründe, Rastplätze oder Winterquartiere nicht mehr", kritisierte Köhncke. 

Der Schutz dieser Arten könne nur durch internationale Zusammenarbeit gelingen, "gepaart mit ambitioniertem Artenschutz direkt vor Ort". Um das Verschwinden der Arten zu verhindern, müssten "Korridore" sichergestellt werden, durch welche die Tiere "frei und ungestört wandern können". Dies gelte "nicht nur im Meer, sondern auch an Land".