Polizei in Myanmar treibt Demonstranten mit Gummigeschossen auseinander

Polizisten in Rangun Bild: AFP

Polizei in Myanmar treibt Demonstranten mit Gummigeschossen auseinander

Die Polizei in Myanmar hat am Samstag Gummigeschosse abgefeuert, um Demonstranten in Rangun auseinanderzutreiben. Das berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Ob scharf geschossen wurde, war zunächst unklar.

Die Polizei in Myanmar hat am Samstag Gummigeschosse abgefeuert, um Demonstranten in der Wirtschaftsmetropole Rangun auseinanderzutreiben. Nach Angaben aus Polizeikreisen wurden mehr als 140 Menschen festgenommen. Zuvor hatte der Botschafter Myanmars bei den Vereinten Nationen, Kyaw Moe Tun, an die Weltgemeinschaft appelliert, entschlossen zu handeln, um die Militärherrschaft in seinem Land zu beenden. 

In Rangun vertrieb die Polizei Protestierende und Journalisten von der Myaynigone-Straßenkreuzung, an der sich bereits am Vortag Sicherheitskräfte und Demonstranten gegenübergestanden hatten. Hunderte Angehörige der Bevölkerungsgruppe der Mon demonstrierten anlässlich ihres nationalen Feiertags. Angehörige anderer Minderheiten schlossen sich ihnen an, um gegen den Militärputsch zu protestieren.

Die von der Polizei vertriebenen Demonstranten und Journalisten versteckten sich in umstehenden Gebäuden. Unter den Festgenommenen waren zwei Fotoreporter der Agenturen Associated Press und Myanmar Pressphoto sowie ein Videojournalist von Myanmar Now.

"Was macht die Polizei? Sie schützt einen verrückten Diktator", skandierten die Demonstranten. Sie zerstreuten sich in kleinere Wohnstraßen und errichteten Barrikaden aus Tischen und Stacheldraht, um die Polizisten aufzuhalten. Viele Protestierende trugen Helme und Gasmasken und schwenkten selbstgebaute Schutzschilde.

Lokalreporter filmten die chaotischen Szenen. Auf den live im Online-Dienst Facebook übertragenen Aufnahmen war zu hören, wie Schüsse fallen. Auch AFP-Reporter wurden Zeugen der Schüsse.

An der nahegelegenen Hledan-Kreuzung wurden nach Angaben von AFP-Reportern mehrere Granaten abgefeuert. Nach Angaben aus Polizeikreisen wurden mehr als 140 Menschen festgenommen. Eine Kundgebung in der Nähe eines Einkaufszentrums im Tamwe-Viertel wurde von der Polizei aufgelöst. Eine verzweifelte Mutter sagte AFP, sie habe kurz mit ihrer Tochter telefonieren können, die nach eigenen Angaben abgeführt wurde. "Ich weiß nicht, wohin sie gebracht wurde", sagte die Mutter. "Sie wurde unrechtmäßig festgenommen." 

Ähnliche Szenen spielten sich vielerorts in Myanmar ab. In der Stadt Monywa im Zentrum des Landes gingen Polizisten und Soldaten gegen Demonstranten vor, wie Htwe Aung Zin, Arzt eines örtlichen Rettungsteams, sagte. Ein Mann sei von der Polizei schwer am Bein verletzt worden, zehn andere Demonstranten seien leicht verletzt. Durch welche Art von Kugeln der Mann am Bein verletzt wurde, wollte er nicht sagen. Nach Angaben eines anderen Arztes, der anonym bleiben wollte, wurde eine schwerverletzte Frau auf die Intensivstation gebracht.

Nötig sei die "stärkste mögliche Antwort der internationalen Gemeinschaft, um den Militärputsch sofort zu beenden, die Unterdrückung unschuldiger Menschen zu stoppen, die Staatsmacht an die Bevölkerung zurückzugeben und die Demokratie wiederherzustellen", sagte Tun vor der UN-Vollversammlung. 

Tun appellierte an die UN-Mitgliedstaaten, die Militärregierung in Myanmar nicht anzuerkennen und nicht mit ihr zu kooperieren. Die Staaten müssten die Militärjunta auffordern, das Ergebnis der Parlamentswahl vom vergangenen Jahr zu respektieren, forderte Tun weiter. Auch seien "stärkere" Maßnahmen nötig, um das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte in Myanmar gegen friedliche Demonstranten zu beenden.

Vor knapp vier Wochen hatte in dem südostasiatischen Land das Militär durch einen Putsch die Macht übernommen. Die demokratisch gewählte Regierung von De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi wurde abgesetzt und die Friedensnobelpreisträgerin festgenommen. Seitdem sind hunderttausende Menschen gegen die Armee auf die Straßen gegangen. Die Sicherheitskräfte setzen Tränengas, Wasserwerfern und Gummigeschosse ein. Mindestens fünf Menschen wurden im Zuge der Massenproteste getötet.