Annette Bulut (mp)27. Januar 2015, 14:39 UhrGESUNDHEIT
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Etwa sechs Millionen Deutsche leiden an der Volkskrankheit COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) - Tendenz steigend. Am häufigsten betroffen sind Raucher. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse, mit denen eine gängige Therapie auf den Kopf gestellt werden könnte. Unter der Leitung von Professor Helgo Magnussen vom Pneumologischen Forschungsinstitut an der LungenClinic Gronshansdorf wurde das gängige Behandlungskonzept mit Atemsprays in einer aktuellen Untersuchung überprüft. Das Ergebnis: Es gibt keine Verbesserung der Erkrankung, egal ob Kortison verwendet wird oder nicht. Professor Wolfgang Petro, niedergelassener Pneumologe aus Bad Reichenhall, kennt den Grund, warum Kortison bei COPD überhaupt eingesetzt wird: "Kortison ist hochwirksam bei Asthma und wurde vermutlich aus diesem Grund später auch für die Behandlung von COPD eingesetzt. Aber der Nutzen wurde hier nie sicher nachgewiesen." Generell wird der Einsatz von Kortison aber inzwischen kritisch gesehen: Viele Studien belegen, dass Patienten mit einer schweren COPD unter der Therapie mit inhaliertem Kortison sogar häufiger Lungenentzündungen haben als diejenigen, die das Mittel nicht nehmen.
Bei Betroffenen, die sich in einer stabilen Phase der Erkrankung befinden, kann das Kortison abgesetzt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich der Zustand nicht verschlechtern, und das Risiko von Nebenwirkungen sinkt. "Es bleibt aber dabei, dass das Wesen einer COPD die Entzündung in der Lunge ist. Hier sollten wir deshalb auch weiter ansetzen. Wenn nicht mit Kortison, dann mit anderen Wirkstoffen, die bei COPD untersucht wurden. Hierzu gehört etwa ein oraler Wirkstoff, der gezielt gegen die spezielle Entzündung bei COPD wirkt", so Petro. www.mein-leben-mit-copd.de