VW-CNG-Initiative: Erdgas ist das neue Diesel

mid Hamburg - Erdgas ist sauber - und preisgünstig. Der VW-Konzern will jetzt den Trend zum CNG-Fahrzeug intensivieren. VW

VW-CNG-Initiative: Erdgas ist das neue Diesel

Einen Dieselmotor wirklich sauber zu machen, das kostet eine Menge Geld. Ein Kleinwagen mit Selbstzünderantrieb ist dann kaum mehr wirtschaftlich und würde nicht akzeptiert. Stattdessen könnten Erdgasmotoren in der Klasse der Minis für reinere Luft sorgen. Das zumindest plant der VW-Konzern.


Zur Einhaltung der Klimaziele ist der Dieselmotor wegen seines geringen CO2-Ausstoßes unverzichtbar. Aber ihn wirklich sauber zu machen, also auch die für Menschen schädlichen Stickoxide zu eliminieren, das kostet eine Menge Geld. Ein Kleinwagen mit Selbstzünderantrieb ist dann kaum mehr wirtschaftlich und würde nicht akzeptiert. Stattdessen könnten Erdgasmotoren in der Klasse der Minis für reinere Luft sorgen. Dies sind die Erkenntnisse des CNG Mobility Days, zu dem der VW-Konzern und ein mehr als ein Dutzend weitere Partner, darunter Zulieferer und Energieversorger, jetzt in Hamburg eingeladen hatten. Diskutiert wurden die Vorzüge des Erdgasmotors und neue Entwicklungen gleich dazu.

Der Verkauf von Fahrzeugen mit Dieselmotoren ist in den vergangenen Monaten um rund 15 Prozent eingebrochen. Die Kunden sind verunsichert. Kommunen drohen mit Fahrverboten, eine höhere Besteuerung des Dieselkraftstoffs wird diskutiert und die Restwerte von Autos mit Selbstzünderantrieb rauschen in den Keller. In den Fuhrparks der Vielfahrer, in denen vor allem Diesel zu finden sind, muss mit deutlich höheren Leasingraten gerechnet werden. Der Volkswagen-Konzern, der die Dieselkrise hauptsächlich zu verantworten hat, sucht nach Auswegen.

Das Wunschdenken, Elektroautos könnten die Schadstoffbilanz bereinigen, hat sich als Luftschloss erwiesen, die von der Bundesregierung anvisierte Zahl von einer Million Stromern bis 2020 auf den Straßen wäre mit der aktuellen Infrastruktur gar nicht realisierbar.

Das liegt nicht nur an der zu geringen Zahl von Schnellladestation. Die Ressourcen für den Netzausbau stehen nicht zur Verfügung. "So viel Kupfer können wir auf die Schnelle gar nicht beschaffen", so ein Vertreter eines Energieversorgers. Deshalb ist Erdgas als Brennstoff im Auto wiederentdeckt worden. Bereits 2016 hat das Umweltbundesamt 2016 unter dem Motto "Power to Gas" eine regenerative und CO2-neutrale Energieversorgung vorgestellt. VW hat unterdessen auf dem Motorensymposium in Wien einem serienreifen Dreizylinder-Erdgasmotor gezeigt, der weniger CO2, weniger Stickoxide und auch weniger Partikel emittiert als Diesel oder Benziner.

Und der Automobil-Zulieferer Mahle hatte bereits im September 2015 festgestellt, dass ein auf Erdgas optimierter Verbrennungsmotor fast ein Viertel weniger Kohlendioxid ausstößt, nach weiteren Anpassungen reduzierten sich die Emissionen sogar um ein Drittel.

CNG (Compressed Natural Gas) besteht zum überwiegenden Teil aus Methan. Der Energiegehalt je Kilogramm ist um das 1,5-fache höher als der von einem Liter Superbenzin. 66 kW/90 PS soll der aufgeladene Dreizylinder von VW leisten, er kann sowohl mit Erdgas als auch mit Benzin betrieben werden. Gerade im Kleinwagen bietet er sich als idealer Antrieb an. Trotz des ins Stocken geratenen Ausbaus des Erdgas-Tankstellennetzes braucht der Fahrer eines CNG-Autos anders als der Lenker eines batterieelektrisch betriebenen Wagens also keine Angst vorm Liegenbleiben zu haben.

Die Energiebilanz von künstlich erzeugtem Methan liest sich ebenfalls gut. Audi hatte bereits vor rund zehn Jahren ein Modell vorgestellt, wonach überschüssige Windenergie genutzt werden sollte, Wasserstoff herzustellen. Unter Zusatz von CO2 wird daraus Methan gewonnen. Das wiederum könnte über das in Deutschland bestens ausgebaute Gaspipeline-Netz von den Küsten in den Süden des Landes transportiert werden, wo es nicht nur als Brennstoff für Autos, sondern auch als Energie für Kraftwerke nutzbar ist, die mit ihren Gasturbinen wiederum elektrischen Strom erzeugen. Der Bau von teuren und unschönen Strom-Ferntrassen würde überflüssig.

VW will sich jetzt für den Ausbau der Erdgas-Infrastruktur stark machen. Zusammen mit Energieversorgern, der Gasindustrie, Zulieferern und den Bundesministerien soll CNG für Autos bekannter und attraktiver gemacht werden. "Bis 2025 wollen wir die Zahl der CNG-betriebenen Fahrzeuge in unserer Flotte um das Zehnfache erhöhen", heißt es aus Wolfsburg. Die Kosten dafür sind immens, denn der Bau einer Erdgas-Tankstelle verschlingt gut eine Viertelmillion Euro. Für den Kunden dagegen sind sie überschaubar. Zwar ist die Anschaffung eines CNG-betriebenen Fahrzeugs um rund 2.500 Euro teurer als die eines konventionell betriebenen Autos, doch ist der Treibstoff dank Steuerbegünstigung deutlich preisgünstiger. Außerdem subventionieren die Gasversorger die Anschaffung eines solchen Wagens mit vierstelligen Beträgen. Auch ein CNG-Kleinwagen würde sich so je nach Fahrleistung nach ein bis zwei Jahren amortisieren.

Michael Kirchberger / mid

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